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Die aktuelle Druckausgabe erscheint am

1. Juli 2015

Anzeigenschluss 19. Juni 2015

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Vorsorge – ein oft vernachlässigtes Thema

Ob in großer Runde, im kleinen Kreis oder im Zwiegespräch mit sich selbst – zum Jahreswechsel wird nichts häufiger gewünscht als Gesundheit. Bei allem menschlichen Bemühen ist sie ein Geschenk. Gesundheit zu erhalten, dafür tun heute die Menschen viel – treiben Sport bis ins hohe Alter und ernähren sich gesundheitsbewusst. Aber bei allem Bemühen, nicht alles kann der Mensch steuern. In der römischen Mythologie sind es die drei Parzen, die den Lebensfaden spinnen, zuteilen und auch abschneiden. In vielen Kulturkreisen gab es das Bewusstsein, dass das Leben ein geheimnisvoller Faden sei, der von Schicksalsfeen gesponnen, gemessen und gehalten sowie abgeschnitten wird. Um das Motiv von den drei Schicksalsgöttinnen gibt es zahlreiche Varianten: die germanischen Nornen, die griechischen Moiren, die keltischen Bethen und etliche andere Gestalten mehr. Ist der Lebensfaden abgeschnitten, bringt Charon, der Fährmann, die Verstorbenen in seinem Boot zum Eingang der Unterwelt, in den Hades. Nach ursprünglicher griechischer Auffassung war der Hades allen Sterblichen gleichermaßen bestimmt. Sie lebten dort nicht weiter, sondern existierten nur als scheue Schatten.

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Hoffnung auf ein Danach
Das Christentum brachte eine hoffnungsvollere Sicht auf die jenseitige Welt. Der Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Römer: „Denn keiner von uns lebt sich selber und keiner stirbt sich selber: Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn“ (14.7, 8). „Wo gehen wir denn hin?“ fragt der Dichter Novalis (1772-1801) und gibt mit „Immer nach Hause“ eine ebenfalls tröstlich stimmende Antwort. Nichts im Leben ist so sicher wie der Tod. Dennoch ist es eine Minderheit der Deutschen, die sich intensiv und nachhaltig mit ihm und seinen möglichen Vorstufen beschäftigt. Bei Versicherungen aller Arten sind die Deutschen geradezu Weltmeister – in der Vorsorge auf die eigene Endlichkeit nicht. Dr. Frank Krümel, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie in Lüneburg wundert das. „Gut leben heißt gut sterben“, ist vom russischen Dichter Leo Tolstoi (1828-1910) überliefert. „Was sich ein Mensch aber unter ‚gut sterben‘ vorstellt, vertraut er oft nicht einmal dem Ehepartner an.“ Dem Mediziner reichte es schon, wenn möglichst viele Menschen sich einmal Zeit nehmen würden, um sich mit den vorletzten und letzten Dingen auseinanderzusetzen. Das Ergebnis dieser Überlegungen klar strukturiert und zweifelsfrei dokumentiert, schafft Sicherheit. Dabei muss das Rad nicht neu erfunden werden.

 

Nicht nur Kühlschränke und Konsumgüter
Die Stiftung Warentest bietet im Internet einen Satz Vordrucke kostenlos zum Downloaden an, die das gesamte Spektrum der Vorsorge abdecken. Beginnend mit der Vermögensübersicht, den Nutzerkonten im Internet (digitaler Nachlass), Bankvollmachten, Vorsorgevollmacht mit Innenverhältnisregelung, Patientenverfügung sowie Bestattungsverfügung deckt das Vordruckangebot alles ab. (www.test.de/vorsorgeformulare-pdf). 
Lediglich die testamentarische Regelung des Nachlasses ist nicht inbegriffen. Für Krümel, der in seinem beruflichen Alltag immer wieder mit nicht mehr ansprechbaren Patienten konfrontiert wird, wäre es eine große Hilfe zu wissen, ob und welche Verfügungen der Patient für diesen Fall getroffen hat. Leider ist das nur in Ausnahmefällen so – auch Ehepartner sind nicht automatisch berechtigt, in eine ärztliche Behandlung einzustimmen oder sie abzulehnen. „Viele Ehepaare glauben, dass sie für den anderen im Notfall Entscheidungen treffen können“, berichtet der Kardiologe, „und sind dann erstaunt, dass auch ihnen gegenüber grundsätzlich die Schweigepflicht der Ärzte gilt“. Klarheit schafft eine Vorsorgevollmacht, die zweifelfrei regelt, wer für den nicht ansprechbaren Patienten sprechen und Entscheidungen treffen darf.

 

Gesundheit, Wohnungsauflösung, Heimvertrag
Dabei geht es nicht nur um medizinische Aspekte. Selbst die Auflösung der Wohnung kann in die Verantwortung des Bevollmächtigten gelegt werden. Ebenso wichtig – Patientenverfügung. Das SeMa ist mit Dr. Krümel den Vordruck der Stiftung Warentest durchgegangen. „ Aus medizinischer Sicht bleibt hier keine Frage offen“, so der Kardiologe, „einen besonderen Vorteil sehe ich darin, dass auf freie Formulierungen verzichtet wurde. Die Präambel ‚Wenn ich zur Willensbildung oder verständlichen Äußerung meines Willens nicht mehr in der Lage bin, sollen Ärzte und Pfleger mich entsprechend der nachfolgenden Verfügung behandeln und pflegen‘ schafft Rechtssicherheit“. Ein wesentlicher Bestandteil der Patientenverfügung ist der Hinweis auf eine möglicherweise erteilte Vorsorgevollmacht.

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Sorgfältig auswählen, 
ins Vertrauen ziehen
Dem Bevollmächtigtem sollte unbedingt eine Kopie der Patientenverfügung ausgehändigt werden. Nur so kann er im Sinne des Patienten Entscheidungen treffen. Er ist auch berechtigt und verpflichtet, die Wünsche des Vollmachtgebers durchzusetzen. Eine besondere Form der Vollmachtvergabe ist die Betreuungsverfügung. Der Betreuer kann nicht automatisch handeln, sondern wird vom Gericht eingesetzt und auch überwacht.„Wer ist als Bevollmächtigter besonders geeignet?“ fragte das SeMa. „Es sollte eine Person des absoluten Vertrauens sein, von der zu erwarten ist, dass sie ihr Handeln zuerst an sachlichen Überlegungen ausrichtet“, empfiehlt Dr. Frank Krümel, „Emotionen sind in Krisensituationen keine guten Ratgeber.“

 

Wo aufbewahren?
Anders als Personalausweis und Führerschein sind die teils umfangreichen Vollmachten für das Portmonee ungeeignet. Da aber dort immer zuerst nach den Personalpapieren einer nicht ansprechbaren Person gesucht wird, ist ein Kärtchen mit dem Hinweis auf den Aufbewahrungsort der Vollmachten ein absolutes „Muss“. Denkbar auch, dass eine Kopie der Vollmachten im Handschuhfach des Wagens liegt und das ebenfalls auf dem Kärtchen vermerkt ist. Ebenfalls sinnvoll, die immer aktuellen Handy-Nummern der Personen zu vermerken, die unbedingt sofort informiert werden sollen. Dazu – und gerade Senioren „schonen“ ihr Mobiltelefon gern – sollte deren Handy immer eingeschaltet sein. Sonst ist es nutzlos.

 

Im Notfall helfen
„Im städtischen Bereich“, weiß Dr. Krümel zu berichten, „ist die Feuerwehr nach einem Notruf über 112 in wenigen Minuten zur Stelle.“ Bis das Rettungsteam eintrifft, empfiehlt der Fachmann eine Herz/Druckmassage, bei der der Brustkorb regelmäßig gepresst und entlastet wird. Von einer Mund-zu-Mundbeatmung rät er ab. „Häufig hat sich der Patient erbrochen, da tut man sich extrem schwer damit“, fasst Krümel die Situation zusammen.

 

Wann 112 wählen?
In Notfällen. Sie verbindet mit dem Rettungsdienst, der immer dann zuständig ist, wenn jemand lebensbedrohlich erkrankt oder verletzt ist. Große Gefahr besteht zum Beispiel bei einem Schlaganfall oder Herzinfarkt. Anzeichen für Lebensgefahr können sein: Bewusstlosigkeit oder erhebliche Bewusstseinstrübung, schwere Störungen des Atmungssystems, starke Herzbeschwerden, akute Blutungen und Unfälle mit Verdacht auf erhebliche Verletzungen. Weitere Fälle für den Rettungsdienst sind Vergiftungen, Brände mit Verletzten, Stromunfälle, Suizidversuche sowie Krampfanfälle. Auch bei einer plötzlichen Geburt oder Komplikationen in der Schwangerschaft sollte die 112 verständigt werden. Die 112 gilt EU-weit – nur weiß das kaum jemand. Bei Fernreisen in die USA erreichen Touristen den örtlichen Notruf unter der 911.

 

Leben retten – sterben dürfen
Im Zentrum allen medizinischen Handelns steht das Retten von Menschenleben. Dort, wo das nicht mehr möglich ist, tritt das Recht jedes Menschen auf ein würdiges Sterben in den Vordergrund. Hier begleitend zur Seite zu stehen, ist auch die Aufgabe der Medizin. Klare Vorgaben aus einer Patientenverfügung erleichtern das. Schmerzfrei sterben zu dürfen, ist der Wunsch vieler Menschen. Das ist heute möglich. Nicht nur Christen erhoffen sich danach fortzuleben. Matthias Claudius (1740 -1815), der Wandsbeker Bote hat beides in ergreifend schlichten Zeilen in seinem Abendlied so ausgedrückt:
Wollst endlich sonder grämen,
Aus dieser Welt uns nehmen,
Durch einen sanften Tod!
Und, wenn du uns genommen,
Laß uns in Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!

F.J. Krause © SeMa

 

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