Schrift ändern:AAA

Achim Reichel

ein Hamburger Jung mit vielen Talenten

Foto © privat

Er nennt sich selbst einen Zehnkämpfer der besonderen Art, eine One-Man-Kompanie. Er ist Musiker, Sänger, Komponist, Musikproduzent und jetzt auch Autor – ein Superstar ohne Allüren, aber mit sehr viel Talent, Können und Ideen-reichtum. Dabei ist er immer sehr bescheiden geblieben. Mit seiner Musik ist er mehr als 50 Jahre unterwegs. Sein Repertoire reicht vom Beat, Rock über Jazz bis hin zu Balladen und Shantys. Dass er beim FC St. Pauli früher im Tor stand, ist lange her. Und überhaupt hatte das Wohnviertel  St. Pauli eine große Bedeutung in seinem Leben, was auch in dem von ihm geschriebenen St.-Pauli-Blues zur Sprache kommt. Am Anfang heißt es: „Mein Daddy war ein Sailerboy und meine Mama stand am Kai, ahoi. Die war’n echtes Liebespaar, warum ich auch ein Wunschkind war!“  Dieses Wunschkind Achim begann seine Kellnerlehre an den St.-Pauli-Landungsbrücken. „Der Jung“ wollte als Schiffssteward zur See fahren. Auch sein Großvater, sein Vater und sein Onkel waren mit den Schiffen in der Welt unterwegs. Auch er wollte sie bereisen und erkunden.

Oberhalb des Hafens, in der Bernhard-Nocht-Straße, stand sein Elternhaus. Morgens wurde er von den Klängen des Nebelhorns geweckt. Die Geräusche von Werften und Schiffen waren ihm vertraut. In der St. Pauli-Kirche wurde er konfirmiert. In seinem soeben erschienenem Buch:

Foto © privat

„Achim Reichel – ich hab das Paradies gesehen“ erinnert er sich am Anfang auch an die mit Kreide gezeichneten Kreise und Kreuze, die er als Junge mit seinen Kumpels auf die damals noch wenig befahrene Bernhard-Nocht-Straße malte. Auch das Ächzen der Kohlenhändler, die die zentnerschweren Säcke ins dritte Stockwerk wuchteten, und an sein Lieblingsbild, das in der Wohnung seiner Eltern hing, sind ihm im Gedächtnis geblieben. Darauf war der 75 Meter lange Großsegler „Seute Deern“ abgebildet. Achim Reichel beschreibt auch seine Eskapaden, die ihn durch die Trümmergelände der Umgebung führten – auf der Jagd nach Dingen, für die der Schrotthändler von gegenüber einen guten Preis bezahlte.

Foto © privat

Die baufälligen Ruinenlandschaften waren für ihn und seine Freunde ideale Abenteuerspielplätze. Sein Lieblingsplatz aber war der am Fenster in der guten Stube – mit Blick auf den Hafen. Ein Weltatlas und ein Flaggenlexikon waren immer griffbereit. Der kleine Achim beobachtete ganz gebannt die auslaufenden Schiffe und reiste mit dem Finger auf der Weltkarte manchen großen Pötten voraus. 1952, im Alter von acht Jahren, verlor er seinen Vater. Er war damit, wie viele andere Jungs und Mädels, ein heranwachsendes vaterloses Kind. Vater Wilhelm Heinrich hinterließ seinem Sohn sein geistiges Erbe, was ihn dazu bewegte in vielen seiner Lieder Vaters Spuren zu folgen und damit in den Texten die Seefahrt zu thematisieren.

In den vorherigen Zeilen steht nur ein klitzekleinen Ausschnitt aus der Kindheit des Ausnahmekünstlers, welcher in seiner soeben erschienenen Biografie am Anfang zu lesen ist. Der Vollblutmusiker schreibt auf den 415 Seiten u.a. von seiner Kindheit, seiner Jugend, seiner Zeit bei der Bundeswehr, von seinen Anfängen und der Karriere im hart umkämpften Musikgeschäft und auch von seiner Beat Band  „The Rattles“, die er 1960 gründete und mit der er 1963 eine Tour mit den Rolling Stones absolvierte. 1966 folgte eine Tournee mit den legendären Beatles durch England.

Foto © Hinrich Franck und Matti Klatt

Die Leser seiner Biografie erfahren auch etwas von seinen Musik-Projekten Wonderland und A.R.&Machines, von seinen großen Hits „Der Spieler“, „Aloha Heja He“, „Kuddel Daddel, Du“, seinen vielen Reisen, seiner Liebe zur Lyrik und den Balladen und auch von der privaten Liebe seines Lebens, namens Heidi, die er am 4. Dezember 1978 heiratete. Der Ausnahmekünstler und Ur-Hamburger blickt in diesem Buch nachdenklich und beeindruckend, aber auch sehr amüsant, auf sein Leben zurück. Fünf Jahre benötigte er, um seine Biografie fertigzustellen, da ihn immer wieder andere Aufgaben davon abhielten. Letztendlich reiste er drei Wochen auf einem Containerschiff nach Namibia, um in dieser Auszeit die letzten Zeilen zu schreiben. Inzwischen erlebten seine Fans in der ausverkauften Elbphilharmonie die ersten beiden Lesungen seines Lebens. Mit seiner sehr sympathischen, sonoren Stimme konnte er sein Publikum mit Auszügen aus seinem Buch und einigen Liedern fesseln und begeistern. Von uns erhält seine im Rowohlt Verlag gerade erschienene Biografie das Prädikat: unbedingt lesenswert; sie bekommt die Höchstzahl an Sternen, die man dafür vergeben kann.                                     

 

Marion Schröder © SeMa
3 s/w Fotos oben: Achim Reichel © privat

Analyse Cookies

Diese Cookies ermöglichen eine anonyme Analyse über deine Webseiten-Nutzung bei uns auf der Seite

Details >Details ausblenden