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Aktionswoche Demenz

„Es gibt eigentlich kein Jahr, in dem es wichtiger ist!“ Wie die Aktionswoche Demenz in diesem Jahr stattfinden kann. Von Montag, 21. bis Sonntag, 27. September, findet in Hamburg wieder die Informations- und Aktionswoche Demenz statt. Aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen sind die Veranstaltungen in diesem Jahr teils anders, aber nicht weniger vielfältig, bunt und bewegend! Das Motto in diesem Jahr: „Wir müssen reden!“.

Das Motto in diesem Jahr: „Wir müssen reden“ – Angelika Tumuschat-Bruhn, Fachreferentin für Pflegerische Versorgung
bei der Behörde für Arbeit, Gesundheit, Soziales, Familie und Integration in Hamburg, und Clownin Rosalore vor dem Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten.

Foto © Kooperation Nord

In ganz Hamburg wird es, wie auch in den vergangenen Jahren, Vorträge, Mitmach-Aktionen oder bunte Zusammenkünfte geben, die alle ein Ziel haben: Das Thema Demenz in die Öffentlichkeit zu tragen. Gleichzeitig sollen Inklusion und Teilhabe gefördert und Orte geschaffen werden, an denen sich alle offen begegnen können – in der Mitte der Gesellschaft.
„Das diesjährige Motto „Demenz – wir müssen reden!“ verstehe ich als Aufforderung, über dieses Thema öffentlich zu sprechen“, so Dr. Melanie Leonhard, Sozialsenatorin in Hamburg. „Ja, wir müssen darüber reden, mit den Menschen mit Demenz selbst und mit den Angehörigen, als Gesellschaft und als Stadt. Wir müssen darüber reden, wie wir unsere Stadt und unsere Quartiere so ausrichten, dass dort alle gut zusammenleben können. Und darüber, wie Menschen teilhaben können am öffentlichen Leben, bis ins hohe Alter und auch bei Demenz und Pflegebedürftigkeit.“

Herausforderungen bei der Vorbereitung

Um auch in diesem Jahr, in dem Menschen direkte Kontakte zum Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung vermeiden sollen, eine runde Veranstaltungswoche auf die Beine zu stellen, haben sich alle Beteiligten richtig viel Mühe gegeben. Es wird neben zahlreichen digitalen Angeboten, wie Filmen und Hörbeiträgen sowie Live-Stream-Veranstaltungen, nun auch einige kleine Vor-Ort-Veranstaltungen und kulturelle Events geben. Auch wenn die Planungen die Organisatoren diesmal vor besondere Herausforderungen gestellt haben, waren die Vorbereitungen für vielen Organisationen und einzelne Mitwirkende dennoch auch hochbefriedigend: „Wir sind ein tolles Team, und wir sind noch dichter zusammengerückt, um auch anderen Mut zu machen“, sagt Claudia Unruh, Mitorganisatorin von eben im Leben e. V. „Was ich festgestellt habe und was in Krisenzeiten besonders sichtbar wird, ist, dass die Teams besonders gut zusammenarbeiten! Im Lockdown haben wir uns untereinander per Zoom-Konferenz toll motiviert. Uns war schnell klar: „Es gibt eigentlich kein Jahr, in dem die Demenzwoche wichtiger íst!“

Großer Spaß im großen Saal: Bei der Teddy-Aktion 2019 wurden die Plüschbären zum großen Teil selbst hergestellt und später zugunsten des Vereins Allianz pflegende Angehörige – Interessenvertretung und Selbsthilfe e. V. versteigert. Foto © Kooperation Nord

Motivierend und einladend ist das Ergebnis geworden. Los geht es am Montag, 21. September (Welt-Alzheimertag), um 16 Uhr, im Haus im Park in Bergedorf. Live und in Farbe gibt es drei Veranstaltungen zum Thema Gedächtnisstörungen und Demenz. Am Dienstag, 22. September, geht es ab zehn Uhr an verschiedenen Orten im Bezirk Wandsbek los. Musik, pflegende Angehörige und Kultur stehen dort auf dem Programm. Von zehn bis 17 Uhr beantworten Experten*innen der AG „Leben mit Demenz im Hamburger Osten“ am Mittwoch, 23. September, im Bezirk Eimsbüttel Fragen am Telefon.

Im Bezirk Altona geht es am Donnerstag, 24. September, um 14 Uhr, weiter: Eine Demenz-Musterwohnung kann besichtigt werden, Experten*innen der Wohnraumgestaltung geben unter anderem Tipps, wie das Leben in den eigenen vier Wänden demenzgerechter gestaltet werden kann. Unter dem Motto „Mit Schirm, Charme und Demenz“ steht das vergnügliche Programm am Freitag, 25. September, im Fairmont-Hotel Vier Jahreszeiten, Neuer Jungfernstieg: Ab 14 Uhr bis 18.30 Uhr gibt es einen bunten Mix aus Unterhaltung und Informationen. (Bitte melden Sie sich bis 15. September bei Claudia Unruh telefonisch unter 0152 06 26 73 60 oder per Mail an demenzwoche@kooperation-nord-demenz an.) Auch am Wochenende gibt es ein Programm: Im Kurzfilm „Musik als Brücke in die Vergangenheit“ werden am Sonnabend, 26. September, Hamburger Musikprojekte für Menschen mit Demenz vorgestellt. Nach einem Gottesdienst am Sonntag, 27. September, um 11 Uhr, in der Hauptkirche St. Jacobi (Altstadt) klingt die Aktionswoche Demenz 2020 um 17 Uhr mit einer Lesung in der St. Gertrud-Kirche (Uhlenhorst) aus. Auf der Internetseite www.hamburg.de/demenz/ finden Sie ein vorläufiges Programmheft und weitere Informationen zum Thema Demenz. Das vollständige, detaillierte und finale Programm finden Sie ab Anfang September auf www.hag-gesundheit.de.

Mit einigen Kostproben aus ihrem Programm „WÜRDE schreibt man groß“ ist Chanson-Kabarettistin Turid Müller am Freitag,
25. September um 17.30 Uhr,
mit von der Partie.
Foto © Torge Niemann

Wichtiger Hinweis: Für die meisten Präsenzveranstaltungen müssen sich Interessierte unbedingt vorher anmelden. Die jeweiligen Ansprechpartner finden Sie im Programm. Die Veranstaltungen der Aktionswoche Demenz werden unter Einhaltung der jeweils gültigen Abstands- und Hygienevorgaben und den damit verbundenen Regelungen durchgeführt. Bitte bringen Sie deshalb zu den Veranstaltungen vor Ort eine Mund-Nasen-Bedeckung mit.

„Gehe in den Schuhen des anderen“
Wie der Umgang mit Menschen mit Demenz gelingen kann

Ein indianisches Sprichwort sagt „Gehe in den Schuhen des anderen“ (wenn Du ihn verstehen willst). Dazu ermuntert auch Tobias Götting, Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft Hamburg e. V., im Blick auf Menschen mit Demenz. Manchmal sind die Verhaltensweisen Betroffener nicht einfach zu verstehen. Etwas einfacher werde es, wenn in der Zeit des Kontaktes versucht werde ‚in den Schuhen des anderen‘ zu gehen, so Götting. Die Alzheimer Gesellschaft Hamburg e. V. ist ein wichtiger Ansprechpartner für Menschen mit Demenz selber, ihre An- und Zugehörigen sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger. Wir haben Tobias Götting zum Engagement der Selbsthilfeorganisation bei der Aktionswoche Demenz in Hamburg befragt.

Tobias Götting, Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft Hamburg e. V.

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Gottesdienst für Menschen
mit und ohne Demenz
„Ein unvergängliches Wesen?“
– Leben trotz(t) Demenz!
So., 27. September, 11 Uhr, Hauptkirche St. Jacobi, Jacobikirchhof 22 (Eingang über Steinstraße), 20095 Hamburg  

SeMa: Was macht die Alzheimer Gesellschaft Hamburg e. V. mit Sitz in Wandsbek genau?

Tobias Götting: Wir sind die Selbsthilfeorganisation im Themenfeld Demenz in Hamburg. Unsere Basis sind seit unserer Gründung 1994 die Gesprächsgruppen für Angehörige, die über die Stadt verteilt stattfinden. Daneben haben wir einen Schwerpunkt in der persönlichen Beratung: Am Alzheimer-Telefon (Tel. 040/47 25 38) beraten erfahrene und geschulte Angehörige. Daneben gibt es auch Beratung in unserer Geschäftsstelle an der Wandsbeker Allee. Ein Mitarbeiter ist auch zu Hausbesuchen unterwegs. Ein wichtiges Angebot ist auch der häusliche Besuchsdienst, der stundenweise Entlastung schafft. Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit sind Angebote zudem Menschen am Beginn der Demenz. Davon gibt es insgesamt ja noch viel zu wenig. Und einen Chor für Menschen mit und ohne Demenz, ein großartiges Inklusionsprojekt, wie jetzt gerade im ZDF als Neuheit vermeldet, haben wir in Hamburg schon viele, viele Jahre. Weitere Angebote siehe www.alzheimer-hamburg.de.

SeMa: Etwa einer von zehn der über 65-Jährigen, etwa zwei von zehn der über 80-Jährigen und fast jeder Dritte der über 90-Jährigen leiden an Alzheimer oder einer anderen Form von Demenz.* Was sind die Ziele Ihrer Organisation?

Tobias Götting: Wir möchten Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen Unterstützung geben, sie ermutigen, stärken, begleiten. Daneben ist uns wichtig, unsere Stadt mehr und mehr demenzsensibel zu gestalten. Da gibt es viele Themen: Menschen mit Demenz im Krankenhaus, die Aufklärung verschiedenster Berufsgruppen bis hin zur Gestaltung der Wohnquartiere, damit Menschen mit Demenz möglichst lange in der vertrauten Umgebung leben können und vieles mehr!

SeMa: Wer kann sich (mit welchen Fragen) an Sie wenden?

Tobias Götting: Jede und jeder, der etwas über Demenz und die Möglichkeiten, auch unter den Bedingungen der Demenz ein möglichst gutes und selbstbestimmtes Leben führen zu können, wissen möchte. Menschen mit Demenz selber, ihre An- und Zugehörigen, interessierte Bürgerinnen und Bürger.

SeMa: Welche Rolle spielen Sie in diesem Jahr bei der Aktionswoche Demenz?

Tobias Götting: Die Alzheimer Gesellschaft gestaltet wie immer mit anderen Akteuren den Tag im Bezirk Wandsbek.

SeMa: Sie sind auch Pastor der ev.-luth. Kirchengemeinde Ansgar Hamburg-Langenhorn und gestalten den Abschlussgottesdienst  am Sonntag. Das Thema lautet ,Ein unvergängliches Wesen?‘ – Leben trotz(t) Demenz!“ Um was wird es dabei gehen?

Tobias Götting: Der biblische Vers spricht von einem unvergänglichen Wesen, das uns im Glauben geschenkt wird. Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen erleben aber gerade das Gegenteil: Veränderungen, die oft schmerzlich und bitter sind. Manchmal aber bleibt ein Mensch auch unter der Demenz im Personenkern derselbe. Und manchmal ist auch mit der Demenz in der Beziehung von Menschen Neues und Gutes möglich. Um diese Spannung wird es gehen.  

SeMa: Wie unterscheidet sich ein Gottesdienst für Menschen mit und ohne Demenz von anderen Gottesdiensten?

Tobias Götting: Wir singen (wenn wir denn wieder dürfen ...) vertraute Lieder, haben kürzere Wortbeiträge. Wobei der alljährliche Gottesdienst zum Welt-Alzheimertag in einer der Hauptkirchen sich auch eher an die Angehörigen und die Öffentlichkeit wendet.

SeMa: Was beachten Sie bei der Vorbereitung?

Tobias Götting: Dass es gelingt, einen Raum zu öffnen, in dem Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen gesehen werden – mit allem, zu dem sie herausgefordert sind. Und mir ist wichtig, dass uns immer ein Betroffener – Erkrankter oder Angehöriger – Anteil gibt an dem, was das Leben mit einer Demenz bedeutet.    

*wegweiser-demenz.de/service/meldungen-und-zahlen.html  

Corinna Chateaubourg © SeMa

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