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16-mal Kongo und zurück

Seid fast 20 Jahren kümmert sich Antje Holst um Kinder im Kongo. Dafür wird sie geehrt und jetzt auch ausgezeichnet.

„Das Wissen darum, dass wir von ihrer Situation Notiz nehmen und darüber berichten, macht Mut, nicht aufzugeben“, sagt Antje Holst, Gemeindemitglied der St.-Martinus-Gemeinde Eppendorf. Seit fast 20 Jahren engagiert sich die inzwischen 78-Jährige für das Kongo-Projekt ihrer Gemeinde. Wenn es möglich ist, fährt sie auch einmal im Jahr ins Land und besucht die Diözese Kivu-Maniema der Evangelisch-Lutherischen Kirche (EELCo) im Osten der Demokratischen Republik Kongo.

„Das Wissen darum, dass wir von ihrer Situation Notiz nehmen und darüber berichten, macht Mut, nicht aufzugeben.“ (Antje Holst). Foto: privat

Durch einen Vortrag erfuhr Antje Holst vor 17 Jahren von den Zuständen im Kongo. Das war für sie der Startschuss für ihr Engagement. 2006 fuhr sie dann zum ersten Mal in das Land. „Man flog damals über Nairobi, und das war aufregend. Inzwischen kann man über Amsterdam direkt nach Kigali, Ruanda, fliegen und nimmt dann den Bus bis zur Grenze. Dort geht man zu Fuß über die Grenze, und unsere Geschwister holen uns dort ab“, berichtet Holst. „Ich fand das damals alles wahnsinnig spannend, aber so weit weg von meinem Leben in Hamburg, dass ich danach sagte, ‚ich muss da nochmal hin‘“, erinnert sie sich an ihren ersten Besuch. Es habe unheimlich viele innerländliche Flüchtlinge gegeben, es sei eine immense Fluktuation an Menschen gewesen. Vor allem die Anzahl der vielen Kinder habe sie damals beeindruckt. „Darum haben wir dann auch entschieden, dass wir als Partnerschaftsgruppe unser Geld für Schulen ausgeben wollen“, so Holst.

„Unser Fokus liegt auf Kindern, Zukunft und Bildung“ (Antje Holst)

Inzwischen gibt es vier Schulen dort. Wenn sie und ihre Kolleg*innen vor Ort sind, besichtigen sie jede einzelne Klasse und freuen sich darüber, wenn viele Mädchen in den Klassen sind. „Das Angebot der Schulen wird von den Kongolesen sehr gut angenommen“, freut sich die Eppendorferin, die inzwischen 16- mal dort war. Unterrichtet wird auf Französisch oder Kisuaheli nach dem belgischen Lehrplan. „Als Gasthörerin an der Uni und später bei der Frau des Dozenten habe ich mit zwei anderen Gemeindemitgliedern vor ein paar Jahren versucht Kisuaheli zu lernen. Aber es ist unheimlich schwierig, eine Sprache zu sprechen, wenn man nur alle zwei Wochen eine Stunde Unterricht hat“, sagt sie. „Jina langu ni Antje – das heißt ‚Ich heiße Antje‘“, erinnert sich Holst. „Oder: Habari za asubuhi hii – ‚wie geht es heute morgen?‘ – Das sind Floskeln, wie man sie laufend verwendet.”

Es ist ein Erfolg, dass die meisten Schulgründungen staatlich anerkannt sind, sodass die Kinder offizielle Schulabschlüsse erwerben können. Foto: privat

In Vorträgen, auch in zahlreichen anderen Hamburger Gemeinden, berichtet Antje Holst vor ihren Reisen. Im Kindergottesdienst oder bei anderen Gelegenheiten erzählt sie, was die Partnergruppe Kongo schon erreicht hat, und sammelt so auch Spenden.

Bugenhagenmedaille der Nordkirche für Antje Holst aus Hamburg-Eppendorf

In Kongo ist sie „mamam mzee“, was so viel wie die ehrwürdige Alte oder ehrenwerte alte Dame bedeutet. Aber nicht nur dort wird Antje Holst geschätzt. Am vergangenen 30. September erhielt sie die Bugenhagenmedaille – die höchste Auszeichnung der Nordkirche. „Menschen wie Antje Holst bereichern unsere Kirche – vielfältig engagiert, unbeirrt friedenssehnsüchtig, pragmatisch und nah am Gegenüber. Antje Holst hat mit tiefer innerer Überzeugung ihre ganze Kraft dafür eingesetzt, konfessionelle und religiöse Grenzen zu überwinden und zu beweisen: Es geht um die gemeinsame Mitte. Um die Gemeinschaft, die sich geschwisterlich trägt und heilsam ist für all die Entrechteten und Gehandicapten. Indem sie das Böse durch das Gute und überhaupt Trennendes überwindet. Das ist die Vision unserer Kirche der Zukunft! Gerade in diesen Zeiten, in denen die Pandemie Polarisierungen gefördert und Dialog vielerorts erschwert hat, setzen Menschen wie Antje Holst ein starkes Zeichen der Verbundenheit, regional und weltweit“, begründete 2021 Bischöfin Kirsten Fehrs.     

 

Corinna Chateaubourg © SeMa

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