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CABARET

... mit einer Starbesetzung als Musical im Hansa-Theater

„Willkommen, bienvenue, welcome“ heißt es bis zum 26. April für alle Zuschauer, die gleich in den ersten Minuten von dem diabolischen und undurchsichtigen Conférencier, fan- tastisch gespielt von Tim Fischer,  mit diesem Lied begrüßt werden. Es ist eine Traumrolle für den besten deutschen und mit diversen Preisen ausgezeichneten Chansonsänger. Und  es ist ein Glück für diese Produktion, ihn für das Musical CABARET gewonnen zu haben. In den zwei Stunden zieht der Entertainer, perfekt laufend in schwarzen High Heels, alle Register seines Könnens. Tim Fischer singt leidenschaftlich, stimmgewaltig und mit 100-prozentigem Körpereinsatz.  Sein ausdrucksstarkes Agieren mit den Händen ist legendär und einmalig. Der heute 46-Jährige wollte erst ein gewisses Alter erreichen, um diesen Conférencier optimal verkörpern zu können. Alle vorherigen Angebote lehnte er ab.  Seit 30 Jahren liegt ihm sein Publikum zu Füßen. Seine Konzerte sind immer ausverkauft.

Die Betreiber des traditionellen Hansa Varieté Theaters am Steindamm Ulrich Waller und Thomas Collin wagten jetzt mit dieser Aufführung des Musicals,  neue Wege zu gehen. Die Bühne und der Theatersaal der seit dem 5. März 1894 eröffneten Spielstätte, in der schon viele große Künstler ihre Weltkarrieren begannen, wurden  in den berühmten und verruchten Berliner Kitkat Club verwandelt, in dem man sich lebenshungrig amüsiert. Die Wände glitzern, und bunte Folienschnipsel flattern auf die Zuschauer. Ein Spektakel, wie es das Publikum im Hansa Theater noch nicht erlebt hat, erwartet die Gäste. Regisseur Ulrich Waller hat unserer Hansestadt mit dieser atemberaubenden Show ein absolutes Highlight beschert: zwei Stunden beschwingte, berauschende, mitreißende, aber auch zum Nachdenken anregende Unterhaltung. Die politische Seite mit einer starken Wirkung beeindruckt genauso wie die unterhaltende. Die Besucher erleben einen Abend, der sie kurzfristig alle Sorgen vergessen lässt, aber auch eine Diskussion auslöst über das politische Klima, welches  zurzeit in Deutschland herrscht. Diese gelungene Inszenierung zeigt damit auch eine Warnung an uns alle, das Brutale vergangener Zeiten nicht wieder passieren zu lassen.

In das seit 126 Jahren bestehende bauliche Kleinod in der Innenstadt Hamburgs passt dieses Musical der 20er Jahre, wie in kein anderes Theater. Deutschlands ältestes Varieté ist ein Haus mit Tradition, in dem schon beim Betreten Erinnerungen an schöne Zeiten und Momente geweckt werden.
Der amerikanische Film CABARET, der 1972 mit Liza Minnelli als Sally Bowles und Michael York als Brain Roberts produziert wurde, gewann bei der Oscar-Verleihung 1973 gleich acht dieser begehrten Trophäen und gilt als das größte Film-Musical aller Zeiten. Unvergessen ist auch die eindrucksvolle Rolle des exzentrischen Conférenciers, im Film dargestellt von Joel Grey, und viele Lieder, die zu Evergreens geworden sind wie: „Money makes the world go round“ , „May be this time“ , „Bye bye mein lieber Herr“ oder „Heirat: Oh wie wunderbar“. Letzeres wird zart und berührend von Angela Winkler und Peter Franke gesungen.

Noch bis zum 26. April können sich die Zuschauer nicht nur auf den hervorragenden Schauspieler und Chansonnier Tim Fischer als Zeremonienmeister freuen, sondern auch auf das gesamte Ensemble, das aus 13 hervorragenden Tänzern und Schauspielern besteht, deren künstlerische Paletten alle Farben des Showgeschäfts aufweisen. Und alles  mit hervorragender musikalischer Begleitung des Theaterorchesters. Neben dem Feuerwerk aus Tanz und Gesang werden auch leise Töne angestimmt.  

Der Inhalt dieses Musicals ist nicht nur schrill, wundervoll farbenfroh, voller Schwung, zum Lachen, frivol und erotisch, sondern auch leise, anrührend und zum Nachdenken anregend. Es spielt in politisch schwierigen Zeiten in Berlin und ist die Geschichte zweier Liebespaare, die sich Ende der 20er Jahre fanden: Sally (Anneke Schwabe), die junge, attraktive Sängerin im legendären Kitkat-Club, verliebt sich in den smarten amerikanischen Schriftsteller Cliff (Sven Mattke). Ihre Liebe zerbricht aber an unterschiedlichen Lebenseinstellungen. Außerdem verliebt sich die etwas schüchterne ältere Pensionswirtin Fräulein Schneider in den durch die neue Liebe wieder jung gewordenen jüdischen Obsthändler Herrn Schultz, zauberhaft gespielt von Angela Winkler und Peter Franke.
Die Zuschauer freuen sich mit den beiden Älteren und gönnen ihnen alles Glück der Welt, das jedoch durch den aufkommenden Nationalsozialismus keine Chance hat.

Die Zuschauer erwartet in dem wunderschönen Traditionshaus ein ganz neues Theatererlebnis für alle Generationen. Dabei kommen auch die Gaumenfreuden nicht zu kurz: den berühmten Theaterteller bei der Kartenreservierung am besten gleich mit bestellen.
Kartentelefon 040-47 11 06 44
    

Text und Fotos: Marion Schröder