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Von Demenzkranken lernen

Ein Gespräch mit der Heilpraktikerin Elke Kramper

Elke Kramper absolvierte ihr Studium an der Schule der Homöopathie und Heilpraktik in Hamburg. Begleitend zu ihrer Ausbildung arbeitete sie einige Jahre in Pflegeeinrichtungen und Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz. Seit 2014 betreut und begleitet sie Menschen mit Demenz im Konfetti-Café in Hamburg-Altona. Die klassisch-homöopathische Behandlung von Menschen mit Demenz sowie die Begleitung und Beratung der Angehörigen und Pflegenden ist mittlerweile ein Schwerpunkt in der Heilpraxis Elke Krampers. Darüber hinaus bietet sie Kurse zum Demenz-Partner an und engagiert sich für die Kampagne „Hamburg setzt ein Zeichen für Demenzsensibilität“. Im August 2018 nimmt Elke Kramper an der Messe Buddha & Balance in Appen teil. Dort präsentiert sie vor allem ihre Tätigkeit für und mit Menschen mit Demenz.

SeMa: Wie kann man an Demenz erkrankten Menschen aus Sicht der Homöopathie helfen?

Elke Kramper: In der Homöopathie wird immer der Mensch als Ganzes betrachtet und behandelt. Das bedeutet auch, dass die Psyche ein integrativer Teil des Ganzen ist und entsprechend mit behandelt werden kann. In der klassischen Homöopathie wird darüber hinaus grundsätzlich angestrebt, ein gesundheitliches Problem an der Ursache zu packen, indem der Organismus zur Selbstheilung angeregt wird.

Das Bild einer Demenzerkrankung ist vielfältiger Natur. Neben den bekannten Symptomen wie Gedächtnisschwäche und Orientierungsstörungen ist die Erscheinungsform der Erkrankung sehr individuell – manche verlieren ihre Sprache, leiden an Stimmungsschwankungen, haben körperliche Beeinträchtigungen, Schlafstörungen, Inkontinenz usw.

Die klassische Homöopathie betrachtet den Patienten immer in seiner ureigenen Individualität. Hier liegt der Schlüssel für die homöopathische Behandlung von Menschen mit Demenz. Es gibt nicht das eine Mittel gegen Demenz, es gibt aber ein individuell passendes homöopathisches Mittel für diesen speziellen Menschen mit seiner Gesamtsymptomatik und in seinem aktuellen Zustand.

Der Vorteil der homöopathischen Behandlung ist, dass wir durch die Aktivierung der Selbstheilungskräfte des Organismus in der klassischen Homöopathie eine sehr schonende und wirksame Therapie haben, die sich viele Patienten und Angehörige wünschen. Es gibt praktisch keine unerwünschten Nebenwirkungen, und der Patient wird nicht zusätzlich durch Wirkstoffe belastet, deren (Wechsel-)Wirkungen zum Teil nicht bekannt sind.

SeMa: Sie engagieren sich auch im KONFETTI-Café, einer Begegnungsstätte von Menschen mit und ohne Demenz. Was war zuerst da: das berufliche Interesse oder die ehrenamtliche Tätigkeit?

Elke Kramper: Das berufliche Interesse. Nachdem ich zunächst als Diplom-Holzwirtin in einer Unternehmensberatung und später im Risikocontrolling einer Fondsgesellschaft beschäftigt war, änderte ich die Richtung: Ich begab mich in die Ausbildung zur Heilpraktikerin und Homöopathin, was schon viele Jahre mein Wunsch gewesen war. Ich fühlte mich auch schon immer zu älteren Menschen hingezogen. Für die Finanzierung der homöopathischen und heilpraktischen Ausbildung lag es daher für mich nahe, in die Altenpflege zu gehen. Und Menschen mit Demenz interessierten mich von Anfang an besonders.

SeMa: Was interessiert Sie besonders an diesem Thema?

Elke Kramper: Das Bezeichnende an einer Demenzerkrankung ist, dass die Betroffenen ihren Verstand, ihr Denkvermögen und auch ihre Identität schrittweise verlieren, nicht aber ihre Gefühle. Ich denke, dass wir von diesen Menschen sehr viel lernen können. Sie halten uns in gewisser Weise einen Spiegel vor, zeigen unmaskiert, was sie bewegt. Sie sind aber auch oft ihren Gefühlen ausgeliefert und können dadurch sehr viel leiden. Es war mein Wunsch, mehr über diese Menschen und ihre Erkrankung zu erfahren, um sie ein Stückchen an die Hand nehmen und begleiten zu können.

Die besondere Herausforderung im Umgang mit Menschen mit Demenz liegt darin, dass man sich auf einer anderen Ebene begegnet – hier macht mein analytischer Verstand Pause und Platz für Herz, Bauchgefühl und Intuition – Menschen mit Demenz berühren mich einfach sehr.

Mit der Eröffnung meiner eigenen Praxis blieb keine Zeit mehr für die Altenpflege, und ich musste feststellen, dass mir die Arbeit für und mit Menschen mit Demenz fehlte. Ich stolperte über die Fotos von Michael Hagedorn, Gründungsmitglied von „Konfetti im Kopf“, und er erzählte mir, dass das „Konfetti-Café“ eröffnet werden sollte und noch ehrenamtliche Helfer gesucht wurden. Hier sah ich meine Chance, die Arbeit mit Menschen mit Demenz über meine normale Praxistätigkeit hinaus fortzusetzen, und bin seitdem mit großer Freude dabeigeblieben.

SeMa: Sie bieten Kurse für den Demenz-Partner an. Was ist das?

Elke Kramper: Die Aktion Demenz-Partner ist eine Initiative der Alzheimer Gesellschaft – in Anknüpfung an die weltweite Aktion „Dementia Friends“.

Ziel der Aktion ist es, ein Zeichen zu setzen für Menschen mit Demenz. Personen und Institutionen sind aufgefordert, ihre Solidarität und Hilfsbereitschaft für diese Menschen nach außen zu demonstrieren. Wenn ich Menschen mit Demenz im Alltag unterstützen möchte, ist es nützlich, sie zu verstehen. In den Demenz-Partner-Kursen bekommt man Informationen darüber, was eine Demenzerkrankung ist, wie sie sich äußert – also an welchen Symptomen man Menschen mit Demenz im Alltag überhaupt erkennt-, was diese Erkrankung für pflegende und Angehörige bedeutet und wohin man sich wenden kann, wenn man noch mehr über diese Erkrankung erfahren möchte. Vor allem aber gibt es Tipps und Hinweise für den Umgang mit Menschen mit Demenz – was hilfreich sein kann und was man vermeiden sollte. Der Demenz-Partner-Kurs ist kein Fachvortrag, sondern ein praktischer Leitfaden für Menschen mit Demenz im Alltag.

SeMa: Danke für das Gespräch.    

S. Rosbiegal © SeMa