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Die Ohnmacht der Online-Oldies

Der Computer, das unbekannte Wesen. Mögen viele Senioren der Altersklasse 60plus sich mit Händen, Füßen und Verdrängungsmechanismen gegen den Einfluss der modernen Technik auf ihr Leben wehren, auch sie kommen im Jahr 2017 nicht an den Realitäten von Bits und Bytes vorbei:

Die E-Mail gibt es seit gut 30 Jahren, ein Handy bzw. Smartphone sollte schon aus Sicherheitsgründen zur Standardausrüstung gehören und die Banken versuchen, gerade die ältere Generation mit allen möglichen Mitteln zum Online-Banking zu überreden. Und trotzdem: Im Spannungsfeld von Angst vor der ungelernten Technik sowie den vermeintlichen Risiken und der für Senioren unzähligen Vorteile der (Computer-Technik) tun sich etliche Menschen im letzten Lebensdrittel schwer, die Angebote anzunehmen. Das Senioren-Magazin (SeMa) hat sich bemüht, etwas Licht in das Computer-Dunkel zu bringen. 

Ist der Mensch unserer Zeit ohne WhatsApp überhaupt noch am Leben? Wer morgens regelmäßig mit Hobby-Bloggern in der U-Bahn fährt, wer Smartphone-Junkies fast gegen Laternenmasten laufen sieht oder auch nur wer normale Alltagsdiskussionen verfolgt, der weiß: Auch als Mensch der Generation 65 plus bin ich am medialen Scheideweg angekommen. 

Es ist nun einmal Fakt, dass die rasend fortschreitende Technik unser Leben bestimmt, der PC bzw. das Internet mit seinen Möglichkeiten wie die Luft zum Atmen gehört. Aber wie findet der Senior seinen Weg? Einen Weg, der wegen der Angst und der Vorbehalte gegenüber dem unbekannten Neuen oft in der Sackgasse endet. Eigentlich wäre doch alles so einfach. Wie eine aktuelle Studie belegt, profitieren ältere Menschen auch geistig von der Nutzung eines Smartphones. Senioren, die regelmäßig ein Smartphone bedienen, sind demnach im Durchschnitt mental deutlich fitter als solche, die die neue Technik ablehnen. Grund dafür sind die zahlreichen neuen Reize und kleinen Herausforderungen durch die neue Technik. „Die meisten aber verschlafen das doch, weil sie sich vor einem Lehrgang geradezu fürchten, wollen sich nicht eingestehen, dass sie etwas nicht können“, sagt zum Beispiel die Hamburgerin Marianne Grieger (71). Auch die Frau aus Neu-Allermöhe war zunächst skeptisch, dann aber Schritt für Schritt davon angetan, was für Möglichkeiten sich eröffnen. Heute verteilt sie Nachrichten, Smileys, Videos oder trifft Verabredungen, bis der Akku leer ist – und hat einen Zuwachs der Lebensqualität. „Ich gebe zu, dass ich das nicht mehr hergeben möchte“, sagt sie mit einem Blick auf ihr Smartphone.

Aber halt, nicht jeder Oldie geht soweit. „Mir reicht die Nutzung meines alten Handys, aber für Verabredungen und aus Sicherheitsgründen möchte ich es nicht missen“, zieht sich zum Beispiel Liesa Droste (77) auf eine andere Position zurück. „Ich muss das alles nicht mehr können“, sagt die Dame aus Altona weiter. Da stimmt ihr Christel Marzillier (77) aus Wandsbek zu. „Mag ja sein, dass ich die ganzen neuen Funktionen schwer verstehen würde, aber ich brauche sie einfach nicht“, schwört auch sie auf das alte Handy in ihren Händen. Dem entgegnet Gisela Riediger aus Wandsbek: „Ich habe viel gelernt, zum Beispiel wie man Fotos per WhatsApp verschickt. Es ist einfach toll, ich bin ganz anders dabei,“ schwärmt die Hanseatin. Auch werde man von der jüngeren Generation mit diesem Wissen und den Möglichkeiten ganz anders akzeptiert. So tausche sie jetzt zum Beispiel regelmäßig mit ihrer Tochter Fotos aus. Auch Angelika Lilienthal (67) steht allmählich auf WhatsApp und die Möglichkeiten, die dadurch eröffnet werden. „Mal schnell etwas anders entscheiden, mal schnell einen Termin verlegen oder kurz mitteilen, das ist so sehr gut möglich“, sagt die Dame aus Langenhorn. Ein schöner Nebeneffekt gerade für die Senioren: Die Nachrichten auf diese Weise zu verschicken, kostet im Prinzip nichts.

So weit, so gut, aber hier schließt sich der Kreis. Um die Online-Welt um die alte E-Mail oder die neuere WhatsApp zu verstehen, muss der medial noch grüne Senior Grenzen überwinden. Genauso klar ist: Es lohnt sich nicht nur, es eröffnet ein neues (moderneres) Leben im Alter. Wer das will, sollte den Weg gehen. Wer das nicht will, lebt auch weiter.

Online-Banking: Fluch oder Segen?

Mögen die Begriffe PC, Smartphone, E-Mail oder WhatsApp in der Senioren-Generation langsam an Normalität gewinnen, sieht es beim Online-Banking (nicht nur bei älteren Menschen) etwas anders aus. Hier entscheidet nicht mehr das pure technische Können, es geht ganz einfach um gesundes Misstrauen (in Geldfragen). Fast jeder vierte Bankkunde mit Internet-Zugang fürchtet sich einer Umfrage zufolge vor Betrug bei Online-Bankgeschäften. Einen Teil der Verbraucher schrecken dabei die Sicherheitsbedenken sogar komplett vom Online-Banking ab. Es ist fast eine Selbstverständlichkeit, dass diese Skeptiker vor allen Dingen aus der Generation Sparbuch und netter Bankangestellter kommen. „Ja, auch der persönliche Kontakt zu meiner Bank ist mir aus Vertrauensgründen wichtig“, sagt zum Beispiel Angelika Lilienthal. „Ich habe in diese Sache gar kein Vertrauen, man hört viel von Betrügereien“, fügt ihre Freundin Gisela Riediger hinzu. Für sie komme Online-Banking auf keinen Fall in Betracht.

Die Sorge vor Betrug ist in der Tat nach der SeMa-Umfrage der Hauptgrund für die Ablehnung. Selbst verbesserte Sicherheitsverfahren können bei vielen dieses Misstrauen nicht beseitigen. Dabei weisen die Banken vermehrt darauf hin, dass gerade im Hinblick auf eine spätere Immobilität oder Behinderung Online-Banking eine ganz andere Bedeutung erhalten würde. Der Senior bleibe mündig, könnte seine Geschäfte locker von zu Hause aus regeln. Für diejenigen in der Generation 60plus, die noch berufstätig sind (das werden in Zukunft immer mehr Menschen sein), kommt noch etwas anderes hinzu: die Zeitersparnis. „Ich habe einen viel besseren Überblick und brauche auch meine Freizeit nicht für Bankbesuche nutzen“, sagt Ulrike Teege (62) aus Wellingsbüttel. 

Sie nutzt die Möglichkeiten des Online-Bankings schon seit Jahren, hat sich daran gewöhnt. „Ich brauche auch kein Papier mehr, Sicherheitsbedenken habe ich nicht“, sagt die medizinisch-technische Assistentin in einem Hamburger Krankenhaus. Sie werde zum Beispiel regelmäßig aus dem Bank-Server geschmissen, wenn sie sich mal bei der Eingabe vertippt. „Sicherer geht es nicht, da ist es viel riskanter, viel Bargeld bei sich zu haben“, sagt die Dame, die den technischen Fortschritt konsequent nutzt, weiter. Rentner Klaus Grieger (74, Neu-Allermöhe) stimmt ihr zu: „Für mich ist das schon ganz normal, ein Risiko sehe ich nicht.“ Allerdings würde er Bankgeschäfte niemals mit seinem Smartphone abwickeln, das gehe für ihn nur am PC zu Hause.
Die prinzipiellen Vorbehalte verstehen auch die Bank-Experten (natürlich) nicht. Sparda-Bank-Leiter Rüdiger Fritz weist bei seiner Schulung die Senioren zum Beispiel regelmäßig darauf hin, dass „die Sicherheit bei einer Online-Buchung höher ist, als wenn man eine Überweisung zur Filiale trägt und sie womöglich unterwegs verliert“. Auch er weiß: Fast 50 Prozent der Senioren gehen einmal im Monat zum Bankschalter, um den persönlichen Kontakt zu „ihrem“ Bankangestellten zu suchen – das gibt dann doch ein Sicherheitsgefühl.

Angst hin, Angst her. Die Technik-Welt wird sich weiter drehen. Einer deutschlandweiten Erhebung zufolge nutzen bereits 65 Prozent unter den erwerbsfähigen Bürgern zwischen 18 und 59 Jahren verschiedene Online-Angebote – Tendenz steigend. So sehr das Misstrauen in der älteren Generation verständlich ist, so wenig wird es daran ändern, dass Online-Banking und andere technische Angebote der Banken sich durchsetzen werden. Der nette Bankangestellte darf dann für immer gehen – auch er hat zu Hause ja seinen Computer.

Regeln für das Online-Banking

Die Stiftung Warentest hat unter anderem Regeln für sicheres Online-Banking 
zusammengestellt:

  • Nie von einem unbekannten Computer
 aus in die Bank einloggen. Vor allem Internet-Cafés bieten oft 
keine sichere Plattform für das 
 Online-Banking.
  • Programme nutzen, die regelmäßig auf Viren und so genannte Trojaner  (spionieren Passwörter aus) testen. Außerdem: Programme regelmäßig aktualisieren.
  • Keine Software aus unbekannter Quelle nutzen.
  • Regelmäßig das Passwort ändern. Das Passwort getrennt von der 
TAN-Liste oder der Signaturdiskette aufbewahren. Das Passwort sollte 
 außerdem nicht leicht zu erraten sein und mehr als vier Stellen haben. Bessere Sicherheit gibt eine 
Kombination aus Zahlen und Zeichen.
  • Sobald man eingeloggt ist prüfen, 
ob die Bank für diese Seite ein 
 Sicherheitszertifikat vorweisen kann
  • Alle Daten, die Zugang zum Bankkonto ermöglichen, geheim halten
  • Regelmäßig Zeit nehmen, die Online-Bankauszüge zu überprüfen. So kommen Sie Missbrauch und Unregelmäßigkeiten schnell auf die Spur. 
Es erhöht die Sicherheit, wenn Sie mit Ihrer Bank eine Höchstgrenze für 
 Überweisungen vereinbaren
  • Gespräch/Info mit der betroffenen 
Bank, Schulungskurse besuchen. Alle Geldinstitute – auch in Hamburg
 – beraten ausführlich zum Thema Online-Banking. Auch werden teilweise 
über die Banken und Sparkassen 
kostenlose Online-Schulungen für 
Senioren angeboten. Informationen gibt es am Bankschalter.

K. Karkmann © SeMa