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Darf der E-Scooter in den Bus?

Die gute Nachricht zuerst: Die Mitnahme eines E-Scooters in HVV-Verkehrsmitteln ist kostenfrei. Darüber hinaus gibt es Bedingungen, ob Elektromobile in den Bus dürfen oder nicht. 

Die einen nennen sie Elektro-Scooter, kurz E-Scooter, die anderen sagen Elektromobil oder auch Seniorenmobil, weil vor allem ältere Menschen mit den mehrspurigen, oben offenen und elektrisch angetriebenen Fahrzeugen unterwegs sind. Die Benutzer, die sich damit fortbewegen, können etwas Gepäck mitnehmen, wie etwa den Einkauf. “Ein guter E-Scooter zeichnet sich durch große Räder und einen kräftigen Motor aus. Ebenso wichtig ist auch ein bequemer drehbarer Sitz,” erklärt Dirk Theege. In seinem Fahrrad-Fachgeschäft in Elmshorn vertreibt er –
neben Freizeit-, Sport- oder Tourenrädern sowie Dreirädern – auch zeitgemäße E-Scooter.

Mitnahme mit Merkzeichen G
Zeitgemäß heißt, dass diese Fahrzeuge bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen, damit sie in den Bussen des HVV mitgenommen werden. Seit Anfang des Jahres gibt es dazu neue Kriterien: Zunächst muss der Nutzer des E-Scooters eine gültige Fahrkarte mit sich führen, die den Busfahrern oder dem Prüfpersonal vorzuzeigen ist.

Ein Schwerbehindertenausweis mit Merkzeichen G, also gehbehindert, oder alternativ der Beleg, dass die Krankenkasse die Kosten für das E-Mobil übernommen hat, sind auch bei sich zu führen. Und dann muss der E-Scooter vom Hersteller gekennzeichnet sein.

Gekennzeichnet mit Plakette
Diese Plakette, die unter bestimmten Voraussetzungen am Fahrzeug angebracht wird, setzt voraus, dass der E-Scooter eine maximale Gesamtlänge von nicht mehr als 120 cm hat. Bei seinem Gewicht darf er inklusive der Person 300 Kilogramm nicht überschreiten. Ebenfalls muss er vierrädrig sein und ein Bremssystem haben, das gleich auf beide Räder einer Achse wirkt und nicht durch ein Differential (gesonderte Feststellbremse) überbrückt wird.
Auch das ist wichtig: Der E-Scooter muss für die Rückwärtseinfahrt in den Bus geeignet sein und ausreichend Bodenfreiheit und Steigfähigkeit aufweisen. Nur so kann eine mit maximal 12 Prozent geneigte Rampe für das Ein- und Ausfahren aus dem Bus überwunden werden.

Voraussetzungen an den Nutzer
Ebenfalls sind zusätzliche An- oder Aufbauten an dem E-Scooter nicht zugelassen, da diese nicht gewährleisten können,
dass der Nutzer sein Fahrzeug korrekt in den Bus hineinfahren kann. Dabei ist es notwendig, dass der Fahrer des Elektromobils selbstständig in der Lage ist, zuerst rückwärts in den Bus einzufahren, sich dann im Bus mit dem Fahrzeugrücken in die Fahrtrichtung an der vorhandenen Anlehnfläche aufzustellen und allein aus dem Bus zu fahren.
Deshalb wird die “Zulassung für auf den E-Scooter mit aufsitzender Person bei rückwärtsgerichteter Aufstellung an der Anlehnfläche wirkende Kräfte von bis zu 0,8 g bei Gefahrbremsung bzw. 0,5 g Querkräfte bei Kurvenfahrt” benötigt,
wie es in den HVV-Richtlinien heißt. Ein Modell, das all diese Kriterien erfüllt, und das Dirk Theege empfiehlt, ist der E-Scooter “Super HMV”. Das Fahrzeug von Kymco (Preis ca. Ä 2.600,–) ist mit einer speziellen Federung und der unerlässlichen
HIMV-Nummer ausgestattet. Neben dem Verkauf dieser und ähnlicher Modelle bietet die Fahrradbörse für E-Scooter Inspektionen mit Motorreinigung sowie einen Hol- und Bring-Service an. Alles weitere unter www.die-fahrradboerse.de
oder im Geschäft in der Langelohe 65 in Elmshorn.

Kriterien für den Bus
Generell kann nicht jeder HVV-Bus einen E-Scooter mitnehmen. Auch hier müssen Dinge erfüllt sein, damit das Elektromobil an Bord darf: Zunächst müssen die Maße der Aufstellfläche 200 cm bei Lage gegenüber der Tür für den Zustieg bzw. 150 cm bei Lage der rechten (Tür-)Seite des Busses betragen. Die Angaben sind vom HVV so festgelegt, dass die Maße unterschritten werden dürfen, wenn im Bus zwei gegenüberliegende Aufstellflächen vorhanden sind. Außerdem muss auch der Rollstuhlstellplatz gemäß UN/ECE-Regelung Nr. 107 normgerecht und mit Rückhalte- bzw. Sicherheitseinrichtungen auf generell drei Seiten ausgestattet sein: auf der Fahrzeugseitenwand, an der rückwärtigen Anlehnfläche und eine Haltevorrichtung zum Gang hin mit Überstand gegenüber der Anlehnfläche von mindestens 28 cm. Die Aufstellfläche bzw. der normgerechte Rollstuhlstellplatz dürfen nicht bereits anderweitig belegt sein. Ansonsten kann der Mitnahme des Elektro-Scooters nicht zugestimmt werden.

Mitnahme je nach Situation
Eines sei noch hervorgehoben: Ein genereller Anspruch auf die Mitnahme des E-Scooters in HVV-Verkehrsmitteln besteht nicht. Gemäß Paragraph 11 Abs. 4 der Beförderungsbedingungen des HVV entscheidet das Betriebspersonal, ob Sachen zur Beförderung zugelassen werden und an welcher Stelle sie unterzubringen sind. Sobald die Sicherheit und Ordnung des Betriebs im Bus nicht gewährleistet ist, können E-Scooter von der Mitnahme ausgeschlossen werden. In Abhängigkeit der Situation vor Ort (wie voll ist der Bus, wie sieht die Nutzung der Mehrzweckfläche durch andere Mobilitätshilfen oder Kinderwagen aus usw.) hat der Busfahrer individuell über eine Mitnahme zu entscheiden.  

 

A. Petersen © SeMa