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Heidi Kabel

Erinnerungen zum 10. Todestag von HEIDI KABEL – sie war ein Publikumsliebling – nicht nur im Ohnsorg-Theater

Heidi Kabel
als 19-Jährige.

Am 15. Juni 2010 verließ die beliebte Hamburger Schauspielerin ihre Lebensbühne. Sie hatte erfüllte 95 Jahre mit ihrer Familie, Freuden und vor allem durch ihrem Traumberuf. Sie überstand aber auch Krisen, die sie mit unendlichem Optimismus meisterte.

Neben dem Michel und der Elbe war sie ein Stück Hamburg. Es gibt Menschen, die eigentlich nie sterben dürften. So ein Mensch war Heidi Kabel. Sie war nicht nur eine wunderbare Schauspielerin, sondern auch eine einzigartige Frau, die sich oft privat für die Schwächeren einsetzte. Mit Leib und Seele lebte und arbeitete sie für ihren Beruf. Ihr großes Herz ging auf, wenn sie die Bretter des Ohnsorg-Theaters betreten durfte. Hier spielte sie 66 Jahre in 160 plattdeutschen Stücken. Etwa die Hälfte davon wurde auch im Fernsehen übertragen. Eigentlich wollte sie Konzertpianistin werden. Die „Hamburger Deern“ merkte aber früh, dass dazu ihr Talent nicht reichte. Deswegen widmete die Perfektionistin ihr ganzes Leben der Schauspielerei. Ihre Rolle in „Tratsch im Treppenhaus“ ließ sie unsterblich werden. Sie brillierte darin als Klatschtante Meta Boldt neben ihrem komödiantischen Kollegen Henry Vahl. 

Heidi Kabel mit ihren drei Kindern Heidi, Heiko und Jan Rasmus.

Die gebürtige Hamburgerin wirkte auch in zahlreichen Fernsehfilmen, TV-Serien und Musiksendungen mit. Ihre Lieder „In Hamburg sagt man Tschüß“ oder „An de Eck steiht ´n Jung mit ´n Trudelband“ werden in den Radiosendern unserer Hansestadt viel gespielt. Privat zog sich Heidi Kabel gern in das italienische Abano zurück. 14-mal war sie mit Freunden dort. In ihren Urlauben genoss sie zwar die theaterfreien Tage und das warme Wasser im Pool, bewunderte die wunderschönen Mohnfelder, hatte aber auch immer eine Drehbuch im Gepäck. Sie zog sich dann in den Schatten des Hotelgartens zurück und lernte ihre nächste Rolle.

Heidi Kabel mit Henry Vahl 1968 in „Verteufelte Zeiten“.

Sie bummelte über Märkte. Dort suchte sie immer zuerst nach Mitbringsel für ihre Familie. In erster Linie für ihre fünf Enkel. Selten dachte sie daran, für sich etwas einzukaufen. Heidi Kabel mochte gern Apfelkuchen, aber ohne Zimt, Steak mit Zwiebeln und krossen Bratkartoffeln war ihr Lieblingsessen.  Sie liebte neben ihrer Familie und ihrer Arbeit besonders den Geruch der Elbe, Maiglöckchen, Vergissmeinnicht, Bohnenkaffee, pastellfarbene Kleidung und ihre lange Perlenkette, die sie sehr häufig privat trug. Ihre Lieblingsfarbe war Blau, ihre Lieblingsbücher immer die Drehbücher. Eine enge Freundschaft verband sie mit Willy Millowitsch und seiner Familie. Ihre hanseatische Lebenslust, aber auch Zurückhaltung, 100-prozentige Zuverlässigkeit  und Verschwiegenheit schätzten Freunde sehr an ihr. Dass sie den Bundesverdienstorden nicht annahm, war für die Hanseaten Ehrensache, gemäß der Tradition. Sie strahlte eine unglaubliche Lebensfreude aus. Kummer und Sorgen ließ sie sich nie anmerken. Dass die berühmte Schauspielerin ihre private Zeit für die Schwächsten in unserer Gesellschaft einsetzte, war für sie selbstverständlich. In der letzten Lebenszeit redete sie verstärkt von ihrer Kindheit und Jugend. Häufig darüber, dass sie immer nur mit Jungs spielte und dass sie als Schülerin oft in Weihe bei Hamburg ihre Ferien verbrachte. Auch darüber, dass sie im Krieg auf dem Feld die Kartoffeln für die Familie sammelte und dass ein Brot Billionen kostete. Immer strahlten Heidi Kabels wache Augen, wenn sie die Erinnerungen einholten.

Heidi Kabel und ihr Mann Hans Mahler 1950.

Am Herzen lag ihr, auch nach ihrer Verabschiedung von der Bühne, IHR Ohnsorg-Theater. Sie wollte unbedingt wissen, ob die Besucherzahlen stabil bleiben oder sogar steigen, denn die Sorge um die Anstellungen der Mitarbeiter beschäftigte sie sehr. Bestimmt hätte sie sich über den Neubau des Ohnsorg-Theaters am Hauptbahnhof gefreut, wenn sie bei der Eröffnung noch dabei gewesen wäre. Der Platz vor dem Theater hat ihren Namen bekommen, und sie steht lebensgroß aus Bronze vor dem Eingang. Heidi Kabel liebte ihr Publikum und war sehr froh, dass sie den Zuschauern die Sorgen und Nöte für einige Zeit vergessen  lassen konnte. „Ich spiele für das Volk, für den Menschen mit all seinen Gefühlen. Es gibt für mich nichts Schöneres, als mein Publikum zum Lachen, zum Nachdenken und zum Weinen zu bringen. Ich bin gern eine Volksschauspielerin“, erklärte sie immer wieder. Am 31.12.1998 senkte sich zum letzten Mal für sie ein Theatervorhang. Ein bisschen Wehmut war bestimmt dabei, aber auch das ließ sie sich nicht anmerken. Ein Fan widmete ihr zum Abschied vor zehn Jahren einen Stern, der ihren Namen trägt, hell am Himmel strahlt und in klaren Nächten gut zu sehen ist. Auf der Sternen-Urkunde steht u. a.: „Zu jedem Engel gehört ein Stern. Du bist jetzt der Stern in unserem Herzen und für immer sichtbar.“ Und dass sie nicht wirklich gestorben ist, untermauert der Satz von Berthold Brecht: „Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn keiner mehr an ihn denkt.“ Und das wird wohl noch lange dauern.     

Text: Marion Schröder/Fotos Marion Schröder + Privatmotive von Heidi Kabel © SeMa