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Herzenswunsch erfüllt

(pi) Ein Kapitän kehrt zurück aufs Wasser! Nachdem einem passionierten Hobbyflieger mit Parkinson der Herzenswunsch nach einem Rundflug über Hamburg erfüllt wurde, geht das Projekt „Herzenswünsche“ der Hartwig-Hesse-Stiftung in die zweite Runde: Rudolf Störch ist ehemaliger Kapitän und konnte trotz Schlaganfall und Rollstuhl nach langer Zeit wieder einmal auf Hafenrundfahrt gehen.

Der 73-jährige Rudolf Störch besucht zwei bis drei Tage in der Woche die Tagespflege der Hartwig-Hesse-Stiftung. Die restliche Zeit verbringt er mit seiner Frau Maria Störch, die sich liebevoll um ihn kümmert. Seit ihr Mann vor zehn Jahren einen Schlaganfall erlitt, konnte er nicht mehr durch seinen geliebten Hamburger Hafen fahren, da er an den Rollstuhl gebunden ist und die Barrierefreiheit auf Barkassen eher selten ist. Nachdem die Stiftung davon erfuhr, war klar: Rudolf Störch muss wieder aufs Wasser. Gemeinsam mit dem Hamburger Traditionsunternehmen Barkassen-Meyer konnte dieser Wunsch möglich gemacht werden.
 

Der Weg zum Schiff erwies sich als schwieriger als das Entern der barrierefreien Barkasse Ennstal. Diese wurde von Barkassen-Meyer im April 2019 getauft und fährt seitdem durch den Hafen. Die Rampe, über die der Einstieg auch für Rollstuhlfahrer möglich ist, wurde extra für den Herzenswunsch von Herrn Störch fertiggestellt und steht auch für künftige Besuche von Rollstuhlfahrern bereit.

Als sich die Barkasse in Bewegung setzt, der Wellengang zu spüren ist und das Wasser an steuerbord vorbeizieht, fängt Kapitän Störch an zu lächeln, was auch seiner Frau nicht entgeht. Sie freut sich sichtlich für ihren „Rudi“. „Vor seinem Schlaganfall sind wir zwei- bis dreimal im Jahr auf Hafenrundfahrt gegangen“, erzählt sie. „Seit Rudi aber im Rollstuhl sitzt, war uns das leider nicht mehr möglich. Heute fühlt es sich ein bisschen an wie Weihnachten – so schön ist es.“ Das Paar lernte sich 1990 kennen, als Herr Störch nach zwölf Jahren Seefahrt in Hamburg wieder an Land ging. Er nahm eine Stelle als Verkäufer an und musste als erste Amtshandlung eine Sekretärin einstellen: seine zukünftige Frau. 2003 haben die beiden nach 10 Jahren wilder Ehe geheiratet. Das und dass der Weltenbummler immer schon am liebsten in Hamburg war, hielt ihn davon ab, wieder als Kapitän in See zu stechen.

Herr Störch floh im Alter von 20 Jahren vor der Wehrpflicht in die Niederlande, wo er auf einem Schiff anheuerte, das nach Amerika fuhr. „Weltreise klang so elegant in meinen Ohren“, erklärt der 73-Jährige seine Beweggründe. In Amerika angekommen, baute er sich sein zweites Zuhause in Queens, New York, auf und machte sein Kapitänspatent. Daraufhin fuhr er meist Öltanker, aber auch Container- und Passagierschiffe durch den Panamakanal, das Arabische Meer und den Sueskanal. Hamburg habe er in seiner ganzen Seefahrerzeit nur zweimal angesteuert.

Zeitweise lebte Herr Störch auch in Schweden. Dort erlebte er eine ganz besondere Situation: Er gab mit seinem Passagierschiff einem Fischerboot Schutz, das sich im Eis festgesetzt hatte. „Da haben wir ein paar Tage den Schnee abgeschlagen, damit das Boot wieder freikommt“, berichtet Herr Störch. „Das war nicht ungefährlich. Wir mussten aufpassen, dass wir nicht selber im gefrierenden Salzwasser stecken bleiben.“ Doch die Rettungsaktion des Fischerbootes war erfolgreich und Herr Störch betont: „Nie ist mir jemand auf See verloren gegangen.“

Die Hartwig-Hesse-Stiftung initiiert die Umsetzung solcher Herzenswünsche aus Überzeugung. „Die Erfüllung größerer und kleinerer Wünsche im Rahmen unserer Möglichkeiten und in Zusammenarbeit mit tollen Partnern wie Barkassen-Meyer ist eine tolle Sache“, erzählt Maik Greb, Geschäftsführer der Hartwig-Hesse-Stiftung. „Wir, die wir uns individuell und selbstbestimmt ohne körperliche Einschränkungen durch die Welt bewegen, können sich oft nicht vorstellen, was es heißt, so einfache Dinge wie eine Hafenrundfahrt nicht mehr eigenständig beschreiten zu können. Solche Ausflüge geben ein riesiges Stück Lebensqualität zurück.“ Um weitere Herzenswünsche erfüllen zu können, ist die Stiftung auf die Kommunikationsarbeit der Stiftungsmitarbeiter angewiesen. Denn diese erfahren meist durch Gespräche von Wünschen, früheren Hobbys oder Passionen. „Wir hoffen, dass uns noch weitere, zahlreiche Herzenswünsche erreichen. Denn älteren Menschen eine Freude zu bereiten ist doch mit nichts aufzuwiegen“, freut sich Maik Greb.