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RENÉ KOLLO

... erweckt MARY LOU jetzt wieder zum Leben

Nach 50 Jahren Weltkarriere als Tenor singt der inzwischen 82-jährige auf seiner aktuellen CD mit dem Titel „meine große Liebe“ bekannte  Lieder, die sein Leben begleiteten. Lieder, mit denen andere Interpreten große Erfolge feiern konnten. Auf seine eigene, unverkennbare Weise singt der Weltstar neben „Hello Mary Lou“ u. a. „Immer wieder geht die Sonne auf“ von Udo Jürgens, „Wunder gibt es immer wieder“ von Katja Ebstein, „Wir wollen niemals auseinandergeh´n“ von Heidi Brühl, „Gute Nacht Freunde“ von Reinhard Mey“, aber auch „Über sieben Brücken musst du gehen“, „Dein ist mein ganzes Herz“, „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ und auch den Welthit „My Way“. 13 Schlager und Evergreens im neuen Kleid, gesungen von einem der erfolgreichsten Tenöre. Er beweist damit, dass Musik keine Grenzen kennt. Der gebürtige Berliner stammt aus der dritten Künstler-Generation der Komponistenfamilie Kollo. Großvater Walter schrieb unzählige Operetten wie z. B „Wie einst im Mai“ und Erfolgslieder wie u. a. „Es war in Schöneberg“ oder „Warte, warte nur ein Weilchen“. Vater Willi war Autor von Filmmusiken, Operetten und Kabarett-Revuen. Sein Musikfilm „Solang noch untern Linden“ erzählt die Lebensgeschichte seines Vaters Walter Kollo. Dass René Kollo bei diesen Genen eine musikalische Laufbahn einschlagen musste, war damit vorprogrammiert. Mit „Hello Mary Lou“ fing alles Anfang der 60er Jahre an, und nun – Anfang 2020 – inspirierte die junge Dame mit ihrem schicken Kleid und den schicken Schuhen den jung gebliebenen Heldentenor zu einer Neuaufnahme.

Vor zwei Jahren waren Sie schon mal auf Abschiedstournee, was hat Sie jetzt bewogen, dieses Album „Meine große Liebe“ ihrem Publikum zu präsentieren?

Ich wollte schon immer mein ganzes Leben nicht dasselbe machen. Ich führte auch Regie, inszenierte und schrieb Bücher. Ich war 60 Jahre auf der Bühne, da kann man nicht so einfach in Rente gehen. Ich habe über 50 Jahre Klassik gesungen, und das mache ich jetzt altersbedingt nicht mehr. Ich habe überlegt, was ich jetzt tun kann. Ein Rentnerdasein führen und Däumchen drehen wäre die schlechteste Rolle, die ich bekommen könnte. Ich muss was tun. Ich will weiter die Menschen gut unterhalten. Ich gehe jetzt mit meiner Zeituhr in die Nähe des Anfangs. Als junger Mann spielte ich Tanzmusik, wusste aber damals nicht, was ich beruflich machen wollte. Ein Mitarbeiter des Berliner Senders RIAS bot mir damals an, das Lied „Hello Mary Lou“ zu singen und aufzunehmen. Ich versprach mir nicht sehr viel davon. Gegen meine Erwartungen wurde dieses Lied ein großer Erfolg, und ich bekam Angebote, in allen großen Fernsehshows mitzuwirken. Außerdem war ich dann auch auf einer zweimonatigen Tournee mit dem Orchester Max Greger und der großen Zarah Leander. Die Mary Lou brachte mir Glück. Danach habe ich Gesangsunterricht genommen und Schauspiel gelernt. Ich bekam dann mein erstes Engagement in Braunschweig, danach in Düsseldorf. Und schon nach drei Jahren war ich auf der Bühne in Bayreuth und sag den Steuermann in „Der fliegender Holländer“. Ich wollte in die Klassik, liebte Wagner und hätte nie geglaubt, dass ich seine Kompositionen singen könnte. Ich habe diese tiefschürfenden musikalischen Erlebnisse auf der Bühne gelebt.

Mit Wagner hatten Sie sich die schwersten Rollen ausgesucht.

Man muss Masochist sein, sonst geht es nicht. Ich sagte immer: Nach Tristan gibt es eigentlich nur einen Herzinfarkt! Wenn man da wirklich nicht nur singend in dieses Stück, diesen Stoff rein will, sondern auch emotional, dann ist man am Ende wirklich davor zu sagen – jetzt kann ich nicht mehr.

Hatten Sie Tricks, so große Opern wie z. B. Tannhäuser oder Tristan und Isolde, die ca. 5 Stunden dauerten – die Pause nicht eingerechnet – durchzustehen?

Früher hatten Tenöre wie Caruso in ihren Kostümen kleine Fläschchen, die die Zuschauer nicht sehen konnten. Wenn sie sich dann umdrehten nahmen sie einen Schluck Wasser. Ich hatte in Bayreuth die Mitarbeiter gebeten, mir auf der Bühne in der Kulisse Wasserflaschen zu verstecken und einen kleinen Schlauch darin zu befestigen. Ich wusste, dass ich dann dort laut Regieanweisungen zusammenkrachen muss und konnte somit ungesehen Wasser trinken. Das sind Tricks, die früher völlig normal waren.

Wie haben Sie Ihr Stimme geschont vor solchen Auftritten?

Das ist ein Geheimnis, welches jeder Sänger für sich finden muss. Er muss wissen, wie weit man sich belasten kann und wie weit man ruhig sein muss. Reden ist das Schlimmste. Zwei bis drei Tage vorher muss man ruhig sein, damit man dann die Kraft in der Stimme hat.

Wie kam es jetzt zu dieser CD mit den sehr schönen und abwechslungsreichen 13 Titeln?

Mitarbeiter der Plattenfirma TELAMO hatten die Idee dazu. Sie erklärten mir, dass in den 50 Jahren, in denen ich klassische Lieder sang, sehr viele Hits in Deutschland entstanden. So war die Idee geboren zur „Mary Lou“ einige  dieser Erfolgsschlager mit zu veröffentlichen um damit einen Kreis für mich zu schließen. Es sind sehr schöne Lieder, im Original gesungen von u. a. Udo Jürgens, Katja Ebstein, Karat und Peter Maffay, Reinhard Mey, Demis Roussos, Heidi Brühl.

Sie standen in sehr vielen Ländern der Welt auf großen Bühnen – hatten Sie Lieblingsorte dabei?

Bayreuth war natürlich mein Lieblingsort über die ganze Zeit. Es war ja der Anfang meiner Karriere, und ich habe dort alles gesungen, was man singen konnte. Und natürlich ist auch die Zeit mit Herbert von Karajan in Salzburg immer in meiner Erinnerung und die Auftritte in Japan.

Können Sie sich noch an Ihre erste Rolle erinnern?

Ja. Ich spielte den Boten in Aida 1965 am Staatstheater Braunschweig. Es war ein Auftritt mit zwei Sätzen. Ich sollte auf die Bühne laufen, diese zwei Sätze singen, und dann wieder verschwinden. Allerdings klappte es nie, weil ich immer ein zu spät angezeigtes Auftrittszeichen bekam. Ich war damals noch unerfahren und natürlich auch nervös. Ich kam jedes Mal vorn auf der Bühne an, und der Dirigent machte in diesem Moment eine Geste, dass ich verschwinden sollte. Das heißt, dass ich diese Sätze eigentlich nie gesungen hatte, weil ich immer zu spät auf die Bühne zitiert wurde. Was der Grund war, weiß ich bis heute nicht.

Machen Sie sich um Ihr Älterwerden Gedanken?

Nein, daran denke ich überhaupt nicht. Ich bin jetzt mit 82 so schlau, dass ich weiß, dass irgendwann mal Schluss ist. Ich bin ein Pragmatiker. Ich lebe für morgen. Nicht für gestern. Das hat für mich keine Bedeutung. Es ist vorbei, und ich kann nichts mehr daran ändern. Ich lebe dafür, was ich noch beruflich machen möchte in den nächsten Jahren. Ich leben für meine Kinder und die Familie. Ich lebe mit mir und meiner Familie völlig in Frieden und wunderbar harmonisch – besser geht es gar nicht.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Dass meine Familie und ich gesund bleiben und dass der liebe Gott mir noch ein paar Jahre schenkt  und dass ich  daraus noch etwas machen kann.

Haben Sie sich ein Limit gesetzt, zu welchem Zeitpunkt sie nicht mehr singen wollen?

Nein, das habe ich nicht. Ich hatte mir vor 25 Jahren mal ein Limit gesetzt, aufzuhören. Man sieht, was dabei rausgekommen ist. Wenn ich es stimmlich und körperlich nicht mehr schaffe, dann höre ich auf. Ich habe immer noch Freude beim Singen und mein Publikum auch, wie ich erfuhr. Ich hoffe, dass ich so gesund bleibe, wie ich es bin und, dass mir noch ein paar Jahre auf diesem Erdenball bleiben.    

Text/Fotos Marion Schröder © SeMa

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