Schrift ändern:AAA

Spenden oder nicht?

Vom Missbrauch im Mittelalter zur Onlineüberweisung

Wer sein Leben unter dieses Motto stellt, muss ein ganz besonderer Mensch sein. Ein Motto voller Heiterkeit, Hilfsbereitschaft und Optimismus. Ein sympathischer und gewinnender Typ muss Giovanni Bosco, genannt Don Bosco, aus dem norditalienischen Turin gewesen sein. Humorvoll, leidenschaftlich und von unerschütterlichem Gottvertrauen. Geboren 1815, wollte der Priester keine Löcher in dicke theologische Bretter bohren. Er sah es als seine Aufgabe an, zu Beginn der Industrialisierung in Nord-italien für junge Menschen Anlaufstelle und Schutz zu sein. In seinem Sinn tun heute fast 60.000 Frauen und Männer rund um den Erdball „Gutes“. Nicht um sich vor Gott zu rechtfertigen, sondern weil sie darin ihre Erfüllung sehen.

„Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen!“

„Es gibt einen weit verbreiteten Irrtum. Und der geht davon aus, dass wir durch unser Tun, durch unser Handeln zu Gott kommen. Das ist falsch. Im Gegenteil: Wir stehen in Gefahr, durch nur gutes Handeln – ohne das Licht Christi – selbstgerecht und eingebildet zu werden.“ So der katholische Hamburger Pfarrer Hans Janßen, zuvor evangelischer Pastor in Niedersachsen, in seiner Predigt Weihnachten 2018. Gutes Tun, spenden, aktive Hilfe für andere, „gute Werke“ also, eine Gefahrenquelle? Wie dann mit den zum Jahresende gehäuft eintreffenden Bittbriefen vieler gemeinnütziger Organisationen umgehen?

Das SeMa hat bei Prof. Dr. Wolfgang Thönissen, Ltd. Direktor des Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik im Erzbistum Paderborn, nachgefragt: „Ich sage es einmal mit einem bekannten katholischen Theologen: ‚Der Glaube ist der Täter der Liebe.‘ So hätte es auch Luther sagen können. Pfarrer Janßen liest offenbar Rechtfertigung immer noch in den bekannten kontroverstheologischen Gegensätzen: Wer Glaube sagt, schließt Werke aus, wer Werke sagt, schließt den Glauben aus. Die ökumenische Erkenntnis aber sagt, wir können von Glauben und guten Werken sprechen, wenn wir das in der richtigen Reihenfolge tun. Lutheraner und Katholiken legen ihre Überzeugungen nicht gegeneinander aus, sondern miteinander. Daraus wird ein Plus. So wurde es aber auch schon immer gelebt.“

Spenden im Mittelalter

Von den ersten Christen wurde berichtet, dass die Gläubigen alles miteinander teilten. Das hat von Beginn an nicht richtig geklappt. Von Martin Luther heftig kritisiert, führte die Entwicklung dahin, dass die Wohlhabenden zumindest teilweise davon ausgingen, sich mit Spenden den „Himmel“ erkaufen zu können.  Gipfelpunkt dieser Negativentwicklung war der Ablasshandel. Ihr bekanntester Protagonist: Johann Tetzel. Seine Parole „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!“ wird heute noch zitiert. Die eine Hälfte der Einnahmen diente dem Bau des Petersdoms in Rom, während die andere sich der Erzbischof Albrecht von Brandenburg und der jeweilige Ablassprediger teilten. Der Bischof benötigte die Einkünfte, um seine gegenüber den Fuggern aufgelaufenen Schulden abzuzahlen.

Gutes tun im 21. Jahrhundert

Das Spendenvolumen in der Bundesrepublik stieg von 2,162 Mrd. Euro 2008 auf 5,3 Mrd. Euro im Jahr 2018 an. Das, obwohl die Anzahl der Spender rückläufig ist. Das ist darin begründet, dass die durchschnittliche Spende von 35 Euro auf den Rekordwert von 38 Euro gestiegen ist. Die Deutschen haben im Jahr 2018 mehr für Umwelt- und Naturschutz, Tierschutz und Sport gespendet. In der Verteilung der Spenden geht der Anteil für kirchliche Organisationen weiter von über 27 Prozent auf rund 24,5 Prozent zurück. (2008 35,1Prozent). Der Anteil der Spenden der Generation 60+ macht nach wie vor mehr als die Hälfe aller Spenden aus. Besonders stark ist die Gruppe 70+ vertreten.
Der Monat Dezember ist mit 20 Prozent des Jahresspendenaufkommens für alle Altersgruppen der mit Abstand wichtigste Monat. Interessant ist die Tatsache, dass ein persönlich adressierter Spendenbittbrief nur noch 19 Prozent der Spender veranlasst, zu überweisen. Als Spende zählen die von deutschen Privatpersonen freiwillig getätigten Geldspenden an gemeinnützige Organisationen, Hilfs- sowie Wohltätigkeitsorganisationen und Kirchen. Nicht enthalten sind Erbschaften und Unternehmensspenden, Spenden an politische Parteien und Organisationen und gerichtlich veranlasste Geldzuwendungen, Stiftungsneugründungen und Großspenden über 2.500 Euro.  (Quelle „Bilanz des Helfens“ im Auftrag des Deutschen Spendenrats e.V. als Teilergebnis GfK der Charity*Scope)

Nur mit Spendensiegel

Es ist schier unmöglich, herauszufinden, welche um Spenden bittende Organisation seriös ist und welche nicht. Deshalb sollte jeder Spender darauf achten, nur solche Empfänger zu berücksichtigen, die das Spendensiegel des „DZI – Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen“ tragen. Das DZI hat eine Höchstgrenze für Werbe- und Verwaltungsausgaben festgelegt. Durchschnittlich liegt dieser Kostenanteil bei den Siegel-Organisationen nur bei etwa 13 Prozent.  Auf jeden Fall sollte gern gegeben werden. Denn schon im Zweiten Brief an die Korinther steht: „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“ Oder, wie Don Bosco es ausdrückte, „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen.“     

Empfehlungen des DZI für persönliches Spendenverhalten:

1. Dem Herzen folgen
Spenden Sie für Themen, die Ihnen persönlich nahe sind, oder setzen Sie sich mit Freunden oder der Familie zusammen und entscheiden gemeinsam. So fällt die Entscheidung leichter und wird sicherer.

2. Gezielt spenden
Konzentrieren Sie Ihre Spenden auf wenige Organisationen. Das erleichtert Ihnen die Seriositätsprüfung und mindert den Werbe- und Verwaltungsaufwand der Organisationen. Wer vielen Hilfswerken spendet, wird von all diesen Organisationen als „aktiver Spender“ registriert und umso mehr Werbung erhalten.

3. Vertrauen ist unersetzlich
Spenden Sie einerseits Organisationen und Initiativen, die sie persönlich kennen und denen Sie deshalb vertrauen. Bei Hilfswerken, die Sie nicht selbst beurteilen können: Achten Sie auf das DZI Spenden-Siegel als Zeichen des Vertrauens, und nutzen Sie auch die Auskünfte der DZI Spenderberatung, besonders auch die Warnungen auf www.dzi.de in der Rubrik „Das DZI rät ab“.

4. Spenden vertragen keinen Druck
Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen – weder durch aufdringlich auftretende Werber an der Haustür oder auf der Straße, noch durch zu emotionale Spendenbriefe. Denn Spenden und Fördermitgliedschaften sind freiwillige Gaben, zu denen niemand überredet oder genötigt werden sollte. Stark Mitleiderweckende und gefühlsbetonte Werbung ist ein Kennzeichen unseriöser Organisationen.

5. Informiert spenden
Spenden Sie überlegt, nicht impulsiv. Informieren Sie sich auf den Webseiten der Organisationen. Wenn Sie es besonders genau wissen wollen: Lesen Sie die Jahresberichte und Projektbeschreibungen. Die Gremien sollten dort namentlich aufgeführt, die Finanzen klar und detailliert offengelegt werden. Fotos sollten eindeutig erkennen lassen, wer abgebildet ist und in welchem konkreten Zusammenhang das Bild zur Arbeit der Organisation steht.

6. Geldspenden sind besser als Sachspenden
Geld kann von den Hilfswerken flexibler und effizienter eingesetzt werden als Sachspenden. Teure Transportwege entfallen, viele Produkte können billiger vor Ort gekauft werden und stärken außerdem die Wirtschaft am Zielort. Sachspenden sind dann empfehlenswert, wenn seriöse Organisationen (z.B. lokale Kleiderkammern) gezielt um sie bitten.

F.J. Krause © SeMa