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Chris Andrews

Seine Liebe gehört der Musik, seiner Frau, den Pferden und jetzt auch vielen Kindern.

Der gebürtige Engländer schrieb über 700 Lieder, darunter auch 1965 den Welthit „YESTERDAY MAN“, den eigentlich Sandy Shaw singen sollte, die ihn aber ablehnte. Glück für den Komponisten, Texter und Sänger, denn dieser Titel wurde weltweit mehr als 100 Millionen mal verkauft. Seinen Erfolgssong „PRETTY BELINDA“ sang Chris Andrews unter anderem in der ZDF-Hitparade, der Sendung Beat Club  und im Hamburger Star-Club.

Auch noch heute sind seine Auftritte ein Erlebnis. Der charmante Engländer, der seit 2016 auch einen deutschen Pass besitzt, begeistert seit über 60 Jahren sein Publikum. Allerdings wurden seit mehr als 15 Monaten wegen Corona auch seine geplanten Auftritte gestrichen.

Wir trafen ihn und seine deutsche Frau Alexandra in ihrem Wohnort im Münsterland in der Nähe von Dortmund. Sie haben sich in den 18 Jahren ihres Zusammenseins am Ternscher See ein Paradies erschaffen. Entspannung finden sie im Garten auf einer Bank am Teich beim Beobachten und Füttern der Fische. In ihrer Freizeit ist ihr Lieblingsplatz auf dem Steg am See. Die Ruhe und die Natur geben dem kreativen Paar Kraft und Inspirationen für sein Berufsleben.

Am Anfang der Corona-Zeit wusste der erfolgreiche Sänger nichts mit sich anzufangen. ,,Ich habe mein ganzes Leben lang Musik gemacht, stehe seit meinem elften Lebensjahr auf der Bühne und hatte nie eine Auftrittspause von so langer Zeit. Es war anfangs schwierig, aber auch eine Chance des Nach- und Umdenkens. Auf einmal wurden alle schon gebuchten Auftritte von 100 auf 0 gefahren. Konzerte, die auch in Schweden, der Schweiz, Österreich, den Benelux-Ländern, England und Deutschland stattfinden sollten, mussten storniert werden. Die Frage ,,Was soll ich jetzt mit meinem Leben anfangen?“, stand im Raum, und eine Leere entstand. Diese aber nur für einen kurzen Moment, denn die Stunden nutzten meine Frau und ich jetzt anders.

Ich fand Gefallen daran, meine Zeit so zu gestalten, wie ich es wollte. Ich trainiere meine Stimme und komponiere jetzt nachts in meinem Studio im Haus. Am Tag verbringen Alexandra und ich viele Stunden bei unseren Pferden auf dem Reitplatz. Meine Denkweise hat sich durch diese Auszeit verändert. Ich werde, wenn es wieder möglich ist, gern auf der Bühne stehen und mein Publikum unterhalten, aber auf keinen Fall mehr diese großen Strecken zwischen den Auftritten von einem Tag zum anderen fahren. Ich habe zu meinen beiden Lieben, der zu meiner Frau und der zur Musik, jetzt noch eine dritte dazubekommen. Es ist die zu den Kindern und Pferden, die meine Frau fast täglich mit einer umfassenden Kompetenz, ausdauernden Geduld und viel Freude alle Beteiligten spüren lässt.“

Die achtjährige Anna mit Pony Blacky.

Es ist nicht nur die Liebe, die den Musiker und seine Frau unzertrennlich werden ließ, sondern auch seit der Corona-Zeit die Zusammenarbeit mit ihren vier großen Islandpferden, dem kleinen schwarzen Minishetty Blacky, Eselchen Jule und den Kindern.

Alexandra Andrews ist examinierte Physiotherapeutin. Sie absolvierte zusätzlich eine Ausbildung zur Heilpferde-Reittherapeutin. Damit erfüllte sie sich ihren zweiten Traum, zusätzlich zur Tätigkeit als Managerin ihres Mannes und zu der Liebe zur Musik. Fast täglich verbringen der Weltstar und seine Frau viele Stunden mit ihren Vierbeinern und den Kindern, die ihr Glück auf den Rücken der Pferde genießen. Diese therapeutischen, aber auch spielerischen Stunden bereiten den Klienten und Patienten große Freude und tragen viel zu ihrer Genesung bei. Alexandra Andrews: ,,Unsere Islandpferde sind hervorragend für die Therapie geeignet. Sie haben nie etwas Negatives erlebt, sind freundlich, nicht schreckhaft und den Menschen sehr zugewandt. Die ganzheitliche Therapie ist gut für Körper, Geist und Seele.

Die Zeit bei uns empfinden die Kinder eher als Urlaub. Die achtjährige Anna ist inkomplett gelähmt und sitzt im Rollstuhl. Sie hat in unserem Minishetty Black Pearl einen tierischen Freund gefunden. Anna ist mit Blacky auf Augenhöhe und kann sogar mit ihm spazieren gehen und ihn steuern. Dies stärkt das Selbstbewusstsein und gibt ihr das positive Gefühl etwas  allein beeinflussen zu können. Wenn Anna und auch die anderen Kinder mit ihren Händen den Körper des Pferdes anmalen dürfen, geht es um die Freude, aber auch um die Intensität der Handbewegung und das Spüren der Tiere.

Der achtjährige Max kam mit dem Downsyndrom auf die Welt. Er liegt gern auf dem Rücken des Pferdes und kann sich dadurch entspannen und auch die Atmung und den Geruch des Ponys wahrnehmen. Ich erzähle ihm eine Geschichte, er hört mir zu, und durch meine Massage auf seinem Rücken wird er ruhig. Dass Chris dabei Seifenblasen pustet, hat den Sinn, dass die Kinder diese schillernden, durchsichtigen Kugeln mit ihren Augen verfolgen, was wichtig ist für die Wahrnehmung und die Konzentration. Dass Chris mir jetzt durch die auftrittsfreie Zeit sehr behilflich sein kann, ist ein großes Glück für mich und auch für die Kinder, die ihn lieben. Er ist inzwischen auch  bei meiner Arbeit unentbehrlich geworden.“

Und genau das konnten wir bei unserem Besuch beobachten: Der junggebliebene Rocksänger hat neue Aufgaben gefunden. Er hält Reifen, bunte Tücher, wird in Spiele integriert, versteckt Schatztruhen, die später von den Kindern gesucht werden, kickt mit ihnen Fußball und hat immer Möhren dabei, zur Belohnung seiner vierbeinigen Lieblinge. Aber ganz ohne Musik geht es auch bei den Stunden mit den Kindern nicht: Die Gitarre ist immer griffbereit und, wenn es die Zeit erlaubt, singen alle zusammen mit musikalischer Begleitung des Sängers. Als Chris Andrews, nachdem er Kuchen an die Kinder verteilt hat, zur Gitarre greift und singt, sprudelte es aus einem Jungen: ,,Der Koch kann aber gut singen.“

 

Text und Fotos Marion Schröder

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