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Ein großes Fest des Privattheaters

Die Privattheatertage zeigen die Vielfalt deutscher Bühnen

Vom 11. Juni bis 23. Juni 2019 heißt es wieder: Vorhang auf für zwölf Inszenierungen auf höchstem Niveau. Schon im achten Jahr kann sich das Hamburger Publikum über herausragende Aufführungen während der Privattheatertage (PTT) freuen, die die reisende Jury in ganz Deutschland ausgewählt hat.

137.000 Kilometer hat die neunköpfige Jury insgesamt zurückgelegt und sich 89 Aufführungen angesehen. Die zwölf Stücke, die sie ausgewählt hat, sind in drei Kategorien eingeteilt: „(moderner) Klassiker“, „Komödie“ und „zeitgenössisches Drama“. Jedes Theater durfte selbst entscheiden, in welcher Kategorie die Bewerbung angesiedelt ist. Zu den Juroren zählten unter anderem Jack Kurfess, der langjährige Geschäftsführer des Deutschen Schauspielhauses und der Elbphilharmonie, der Verlagsleiter

Moritz Staemmler und die Autorin und Kuratorin Gabriele Röthemeyer. Zusammengestellt wurde die reisende Jury auch in diesem Jahr wieder von der Hamburger Dramaturgin Dr. Sonja Valentin: „Die Juroren bringen eine unterschiedliche Sichtweise aufs Theater mit, sodass sie sich in ihrer Beurteilung gut ergänzen.“

Eröffnet werden die PTT mit dem Stück „Die Schulz-Story – ein Jahr zwischen Höhenflug und Absturz“ vom Studio Theater Stuttgart. Das Theaterstück basiert auf den Reportagen des „Spiegel“-Reporters Markus Feldenkirchen und beschreibt das Politikdrama um die Kanzlerkandidatur von Martin Schulz.
Aus München kommen dieses Jahr drei Produktionen nach Hamburg: Das Teamtheater Tankstelle zeigt eine Adaption von Robert Musils Roman „Törless“; das Theater Blaue Maus hat die Jury mit „Der Untergang der Titanic“ von Hans Magnus Enzensberger überzeugt, und das Metropoltheater bringt mit „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ den Roman von Joachim Meyerhoff auf die Bühne.
Auch ein Hamburger Theater ist wieder unter den Nominierten: Das kleine Hoftheater, das im Stadtteil Horn seine Bühne hat. Mit dem Stück „Herbstgold“ spielt es ein Stück über zwei Menschen um die 60, deren erwachsene Kinder einen gemeinsamen Abend arrangieren, der ganz anders verläuft als von den beiden geplant. Aufgeführt wird das Stück von Folke Braband im Altonaer Theater, denn um die Chancengleichheit zu wahren, darf ein Hamburger Theater nicht auf der gewohnten Bühne spielen, weil ja auch die angereisten Ensembles sich auf ganz neue Bühnenumgebungen einstellen müssen.
In den letzten Jahren gab es immer wieder hinreißende Aufführungen von Figuren- oder Puppentheater. Dieses Jahr hat es das Bremer Figurentheater Mensch Puppe mit einer Bearbeitung von Hans Falladas „Kleiner Mann – was nun?“ geschafft. Das Stück erzählt vom alltäglichen Kampf des Verkäufers Hans Pinneberg in Zeiten der Wirtschaftskrise und des aufkeimenden Nationalsozialismus in den 20er und 30er Jahren. Ein zweites Puppenspiel kommt ebenfalls aus Bremen. Die Bühne Cipolla zeigt Edgar Allan Poes „Der Untergang des Hauses Usher“.

Als Bühnen brauchte man dieses Jahr besonders viele kleine Spielstätten. So sind das monsun theater, das LICHTHOF Theater, das Theater Kehrwieder, das Allee Theater sowie der Logensaal in den Hamburger Kammerspielen dabei.

Eine halbe Stunde vor jeder Vorstellung kann das Publikum die Theatermacher kennenlernen und Interessantes rund um die Produktion erfahren.

In der Hamburg-Jury ist die Schauspielerin Caroline Kiesewetter, der Filmregisseur Kai Wessel und Thomas W. Kraupe, Direktor des Planetariums, vertreten.

Am Schluss werden bei der Gala die Monica-Bleibtreu-Preise in den drei Kategorien verliehen. Dazu kommt der Publikumspreis. Dieser wird anhand der Eintrittskarten ermittelt, die als Stimmkarten am Ende jedes Theaterabends in Boxen gesammelt werden.

Das Hamburger Publikum kann sich auf zwölf anregende, spannende Theaterabende freuen. Jedes Jahr ein Ereignis für alle, die Theater lieben oder sich verlieben wollen.

Stephanie Rosbiegal © SeMa