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Wöchentliche Museumsgespräche für Menschen mit Demenz

Mehr als 31.000 Menschen mit Demenz leben in Hamburg – Tendenz steigend. Weniger als ein Prozent der Erkrankten nehmen am öffentlichen Leben teil – die überwältigende Mehrheit  nicht. Warum ist das so?

Menschen mit Demenz merken selbst, dass ihnen Dinge und Vorgänge fremd werden – sie fühlen sich zunehmend unsicher, bemerken, dass sie in den Augen anderer „Fehler“ machen und schämen sich. Also bleiben sie lieber zu Hause. Im späteren Stadium können sie ihre Aktivitäten nicht mehr allein planen und sind darauf angewiesen, dass Angehörige oder Freunde sie begleiten. Die aber müssen selbst mit der Situation klarkommen. Oft können sie mögliche Reaktionen des  Betroffenen nicht einschätzen und sorgen sich, mit ihm und seinem vielleicht ungewöhnlichem Verhalten in der Öffentlichkeit aufzufallen. Um sich Peinlichkeiten zu ersparen, bleiben sie mit ihrem demenziell erkrankten Partner, Verwanden oder Freund lieber zu Hause. „Teilhabe“ ist das nicht.

Demenz ist kein Aussatz
Dabei sind an Demenz erkrankte Menschen nicht ansteckend;
sie haben ein selbstbestimmtes Leben geführt, Steuern gezahlt,
gingen zu Fußballspielen, ins Kino, in Theater, die Oper, besuchten Ausstellungen oder gingen ins Museum. Warum sollte das alles vorbei sein? Wer vor der Erkrankung bestimmte Speisen besonders gern gegessen hat, tut das auch weiterhin – warum sollte das mit kulturellen Vorlieben anders sein? Unstrittig – es gibt bereits Angebote, die sich ganz gezielt an Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen richtet. Unstrittig auch –
es sind noch viel zu wenige. Oft handelt es sich dabei um Aktionstage oder Wochen. Das ist allemal besser als nichts, streicht aber ungewollt das „Besondere“ der Erkrankung und der Erkrankten heraus. Für die Betroffenen und ihre engste Umgebung ist leben mit Demenz aber Alltag, den es gilt, ganz normal zu gestalten.

Offenes Hamburg
Dass bestimmte Besuchergruppen ein auf sie zugeschnittenes Programm benötigen,
ist hinlänglich bekannt. So gibt es seit Jahrzehnten speziell für Kinder museumspädagogische Angebote im ganzen Jahr. Sie ermöglichen Kindern einen möglichst interessanten Einstieg in die Welt der Museen, von denen Hamburg viel zu bieten hat. Unter der Überschrift „Auf Zeitreise durch Kunst und Geschichte“ öffnen sich Hamburgs Museen ganz gezielt regelmäßig demenziell Erkrankten und deren Begleitpersonen. Vera Neukirchen, Leiterin Museumsdienst Hamburg erklärte bei der Vorstellung „Wir sind sehr glücklich über den Schulterschluss von Hamburgs Museen in punkto Demenzsensibilität. Die teilnehmenden Museen heißen Menschen mit Demenz ausdrücklich willkommen und sind auf ihre besonderen Bedürfnisse eingerichtet.
Die Museen setzen damit ein positives Zeichen für ein offenes Hamburg.“

Immer wieder mittwochs
Ab dem 4. April  finden immer mittwochs von 15 bis 16.30 Uhr öffentliche Museumsgespräche für Menschen mit Demenz mit ihren Angehörigen oder in einer Gruppe mit anderen begleitenden Personen statt. Ganz bewusst wurde der Begriff „Museumsgespräche“ gewählt, denn der gegenseitige Austausch, nicht das einseitige Erklären von Exponaten, ist das Ziel dieser Angebotsreihe.  

Die Teilnahme an den „Gesprächen“ ist kostenfrei, der ermäßigte Museumseintritt beträgt
€ 6,– pro Person. Die Begleitperson hat freien Eintritt. Die öffentlichen Veranstaltungen finden abwechselnd in der Hamburger Kunsthalle, im Altonaer Museum, in den Deichtorhallen Hamburg,
im Museum für Hamburgische Geschichte und im Archäologischen Museum statt.
Weitere Termine im Bucerius Kunstforum, Museum der Arbeit sowie im internationalen Maritimen Museum sind in Planung. Eigens geschulte Museumsführer werden die Museumsgespräche für Menschen mit Demenz lebendig gestalten.

Freude als Programm
Im Vordergrund steht die freudvolle Begegnung untereinander und mit den Exponaten. Die Besucher werden auf eine sinnlich-assoziative Zeitreise durch Kunst und Geschichte mit ausgewählten Exponaten mitgenommen.
Alle Informationen im Internet unter: www.museumsdienst-hamburg.de/de/home/angebote-fuer-menschen-mit-demenz.html

 

Öffentliche demenzsensible Führungen 2019 – jeden Mittwoch von 15 bis 16.30 Uhr
Wo: In wechselnden Museen wie unten angegeben. Kosten für Führung: Die Teilnahme an der Führung ist kostenfrei. Museumseintrittspreis: ermäßigt 6 €/ pro Teilnehmer/-in. Begleitpersonen haben freien Eintritt.

September 2019

4. September, 14 Uhr: Altonaer Museum
11. September, 14 Uhr: Museum für Hamburgische Geschichte
18. September, 14 Uhr: Hamburger Kunsthalle
25. September, 14 Uhr: Archäologisches Museum Hamburg I Stadtmuseum Harburg

Zusätzliche Führungen am Tag der Demenz am 22. September 2019
14 Uhr: Archäologisches Museum Hamburg I Stadtmuseum Harburg,
Anmeldung unter Tel.: 040 487 124 97
10 und 13 Uhr: Sammlung Falckenberg: 10 und 13 Uhr, Anmeldung unter Tel.: 040 428 131 0

Oktober 2019

2. Oktober, 14 Uhr: Hamburger Kunsthalle
9. Oktober, 14 Uhr: Deichtorhallen Hamburg
16. Oktober, 14 Uhr: Museum der Arbeit
23. Oktober, 14 Uhr: Internationales Maritimes Museum
30. Oktober, 14 Uhr: Museum am Rothenbaum

November 2019

6. November, 14 Uhr: Hamburger Kunsthalle
13. November, 14 Uhr: Altonaer Museum
20. November, 14 Uhr: Archäologisches Museum I Stadtmuseum Harburg
27. November, 14 Uhr: Deichtorhallen Hamburg

Dezember 2019

4. Dezember, 14 Uhr: Museum für Hamburgische Geschichte
11. Dezember, 14 Uhr: Hamburger Kunsthalle
18. Dezember, 14 Uhr: Sammlung Falckenberg

Immer mittwochs 15 bis 16.30 Uhr Anmeldung empfohlen: Tel. 040/428 131-0.

F.J. Krause © SeMa