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TV-Tipp: „Das Geheimnis des Totenwaldes“

Matthias Brandt über das Schweigen und In-sich-Hineinfressen, die alte Bundesrepublik und seine Ungeduld... Zwei ermordete Paare und die verschwundene Schwester beschäftigen den Hamburger LKA-Chef Thomas Bethge.  Die Fälle ereigneten sich jedoch in Niedersachsen, wo er nicht zuständig ist. Inspiriert von wahren Ereignissen, kommt Anfang Dezember der Dreiteiler „Das Geheimnis des Totenwaldes“ ins Fernsehen. Schauspieler und Schriftsteller Matthias Brandt, 59, hat eine der Hauptrollen übernommen.

Im Rahmen des Filmfests Hamburg 2020 wurde der erste Teil des Familien- und Kriminaldramas „Das Geheimnis des Totenwaldes“ im Kino gezeigt.  

Eines der unglaublichsten Verbrechen der deutschen Nachkriegsgeschichte – so die Ankündigung – liefert die Vorlage dafür. Über drei Jahrzehnte werden das Verschwinden einer Frau, die Suche nach ihr und die Auswirkungen auf ihre Familie thematisiert.  Die Hauptrollen des Mehrteilers spielen Matthias Brandt, Karoline Schuch, August Wittgenstein, Silke Bodenbender und Nicholas Ofczarek. Bei der Vorstellung im Rahmen des Filmfests waren neben Sven Bohse (Regie) und Stefan Kolditz (Drehbuch) auch Teile des Casts anwesend: Schauspieler Matthias Brandt (Goldene Kamera 2008) verkörpert den fiktiven Polizisten Thomas Bethge.

„Das Geheimnis des Totenwaldes“ (Regie: Sven Bohse)
Mi., 02.12., Sa., 05.12., und Mi., 09.12., Das Erste, 20.15 Uhr

SeMa: Nach 15 Jahren als Kommissar Hanns von Meuffels im „Polizeiruf 110“ sehen wir Sie wieder in der Rolle eines Kommissars. Was wollten Sie in „Das Geheimnis des Totenwaldes“ über die Figur des Thomas Bethge herausfinden?

Matthias Brandt: Im Kern hat mich interessiert, wie jemand damit umgeht, der einerseits eine herausgehobene Position bekleidet, in seiner Arbeit extrem erfolgreich ist und andererseits Opfer eines Verbrechens wird, zumindest mittelbar, als Angehöriger, und dagegen genauso machtlos ist wie jeder andere Mensch auch. Das fand ich ein interessantes Spannungsfeld.

SeMa: Die Schwester des LKA-Chefs verschwindet, und er bemüht sich um Aufklärung, aber er haut nie richtig auf den Tisch. In einem Hollywood-Film würde er losziehen und den Fall auf eigene Faust lösen. Warum macht er das nicht?

Matthias Brandt: Ich fand das schlüssig, weil das eine Figur ist, die an die staatlichen Strukturen und die Polizeistrukturen durchaus glaubt. Thomas Bethge will diese rechtsstaatliche Ordnung grundsätzlich nicht infrage stellen, was er tun müsste, wenn er tatsächlich so auf den Tisch hauen würde, damit er etwas bewirkt. Ein Hamburger LKA-Chef darf ja de facto nicht in einem anderen Bundesland ermitteln. So ist das bei uns gegliedert und organisiert. Das erscheint uns – von außen betrachtet – absurd, und vielleicht bedauern wir sogar, dass der möglicherweise sympathische Hamburger Polizeichef nicht einfach durchregieren und jetzt mal eine Ansage machen kann. Aber es gibt auch gute Gründe für dieses System. Das hat etwas mit Gewaltenteilung, mit verteilter Macht zu tun. Auf das Ganze gesehen, bin ich über diese Strukturen  eigentlich ganz froh.

SeMa: Vieles bleibt unausgesprochen in den Filmen. Ist das typisch für Thomas Bethges Generation?

Matthias Brandt: Das kann man so sagen. Bethge gehört zur Nachkriegsgeneration, aber er ist eindeutig von der Kriegsgeneration geprägt. In beiden Generationen war es vor allem bei Männern sehr schwach ausgeprägt, sich über die eigenen Befindlichkeiten zu äußern. Man machte die Dinge mit sich selber aus – und das war’s! Dieses Schweigen und Alles-in- sich-Hineinfressen ist sehr typisch. Zu der Zeit, in der „Das Geheimnis des Totenwaldes“ spielt, wäre uns dieses Verhalten sicher normaler vorgekommen als heute, weil es für viele Männer charakteristisch war. Das ist erst 20 oder 30 Jahre her, aber wir sehen noch viel von der alten Bundesrepublik.

SeMa: Wie viel ist von dem Privatmenschen Matthias Brandt in diese Rolle eingeflossen?

Matthias Brandt: Das weiß ich nicht! Ich schaffe eine Figur, ich spiele eine Rolle, und in jeder Figur, die ich spiele, ist sicher eine Menge von mir als privatem Menschen zu finden, aber das ist für mich kein bewusster Vorgang. Als Privatmensch würde ich aber sicher ganz anders reagieren. Ich bin viel ungeduldiger und ungehaltener. Ich hätte aber auch im Leben niemals LKA-Chef oder Polizist werden können. Ich wäre dafür von meiner Persönlichkeitsstruktur her völlig ungeeignet gewesen.     

„Das Geheimnis des Totenwaldes“ (Regie: Sven Bohse)
Mi., 02.12., Sa., 05.12., und Mi., 09.12., Das Erste, 20.15 Uhr

 

Corinna Chateaubourg © SeMa

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