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Fit ab 50: Inline für Senioren

Gleiten, schweben, sich frei fühlen – von der Faszination am Sport auf vier Rollen

Dienstagnachmittag kurz vor 16 Uhr im Institut für Bewegungswissenschaft der Universität Hamburg. Jetzt nach den Sommerferien beginnt hier im Turmweg wieder der inzwischen ausgezeichnete Inlineskating-Kurs für Senioren (ILS F50). Jede Woche treiben hier etwa 30 Menschen im Alter von 50+ diese schwungvolle Sportart, bei der vor allem Herz und Kreislauf sowie das Gleichgewicht trainiert werden, ohne dabei die Gelenke zu strapazieren.

SCHON SEIT FAST 20 JAHREN DABEI

Weiße Hose, schwarze Blouson-Jacke und die rote Sporttasche lässig über die Schulter geworfen, federt Dieter durch die Tür in die Eingangshalle. Ganz aus Harburg kommt er jede Wo- che hierher zum Rotherbaum. Dass er schon 86 Jahre alt ist, sieht man ihm nicht an. Schon seit 1998 – also fast 20 Jahre – kommt der ehemalige Architekt hierher. „Ich bin früher viel Ski und Schlittschuh gelaufen, da bot es sich an, auf Kufen zu bleiben“, meint er mit einem Augenzwinkern. Seine Frau hat ihn damals zum Inline Skating mitgenommen. Sie ist jetzt nicht mehr dabei, wünscht ihm aber jedes Mal viel Spaß und sagt „Komm heil nach Hause“, berichtet Dieter.

DAS TRAINING

Dafür dass die TeilnehmerInnen nicht stürzen, ist das Training in der großen Sporthalle ausgerichtet. „Auf Rampen oder andere schwierige Hindernisse wird bewusst verzichtet“, erklärt Kathy Burdorf, Trainerin der 50plus-Gruppe, ebenfalls seit den 90er Jahren beim HIS e.V. Nicht verzichtet wird aber auf Kegel, kleine Teppiche oder Bälle. Nicht verzichtet wird auch auf das Vermitteln der richtigen Bremstechniken und Kenntnisse, zum Beispiel, wie Stürze vermieden werden können.

DIE ÜBUNGEN

Anderthalb Stunden dauert das Training, das mit einer leichten Aufwärmung beginnt. Danach ruft die Trainerin immer wieder die Gruppe zusammen und erklärt die Aufgaben: zehn Kegel in der Reihe umfahren (möglichst ohne sie umzufahren!), über die Teppiche rollen oder elegant mit den Füßen „Blüten-blätter“ auf die kreisrunden Linien am Hallenboden „malen“. Erst wird die Aufgabe und die dazu passende Technik erklärt, dann darf geprobt werden. Jeder in seinem Tempo, jeder nach seinem Trainingsstand. Dabei wird geredet und gelacht, es kommen alle gut mit.  

„MAMA, DU BRICHST DIR NOCH WAS“

Seit einem Jahr ist die 81-jährige Martha aus Alsterdorf beim Inline-Skating F 50. Ursprünglich besuchte sie andere Kurse im Bewegungszentrum der Uni, entdeckte dann den Flyer für den Anfängerkurs ILS F50. Der Kurs hat ihr so gut gefallen, dass sie gleich in den Verein eingetreten ist und jetzt immer dienstags kommt. Angst vor Stürzen hat sie nicht: „Ich bin als Kind viel Schlittschuh gelaufen – damals froren ja auch noch die Teiche zu – und jetzt gibt es diese Schützer und den Helm. Nein, mir passiert schon nichts“, sagt sie. Die zwei Töchter sehen das scheinbar mit gemischten Gefühlen. „Die eine sagt ‚Mama, du brichst dir noch was‘, die andere, ‚Da passiert schon nichts‘“, berichtet Martha. Das Letztere hofft sie auch und gleitet wieder auf ihren Skates über den glatten Hallenboden.

GLEITEN & SCHWEBEN

Das Gleiten, das Schweben und vor allem das „Gefühl von Freiheit“ beim Inline-Skaten  fasziniert Hans, 75, aus Stellingen. Ebenfalls übers Schlittschuhlaufen (auf einem Weihnachtsmarkt in Karlsruhe) kam er zu seinem Sport. Damit er für die Wintersaison auf dem Eis fit bleibt, trainiert er im Sommer auf den Rollen. „Anfangs konnte ich nur geradeaus fahren. Inzwischen habe ich aber den Dreh mit der Gewichtsverlagerung und dem an den richtigen Stellen Druckgeben, raus. Dann geht’s“, sagt Hans auch ein bisschen stolz.   

LUSTVOLLES TRAINING

Aus den Lautsprechern tönt neben dem Nonsens-Song „Wooly Bully“ von Sam the Sham & The Pharaohs auch Johnny Cashs „I’m on fire“ oder das bekannte „Mama Leone“ des italieni-schen Schlagersängers Bino sowie „Lost in France“ von Bonnie Tyler. Für die gute Musikauswahl wird Trainerin Kathy Burdorf immer besonders gelobt.

Ein weiterer Grund für Inline-Skating F50 sei – so berichten die meisten Teilnehmer – die tolle Gruppe! Gemeinsam gingen sie manchmal auch Essen oder unternehmen Ausflüge. – Wohin? Natürlich zu Orten, wo man auch gut inlinern könne …

Gebucht werden kann ein Anfängerkurs (99 Euro für 4 x 1,5 Stunden Intensivunterricht in einer Kleingruppe inklusive Ausleihen der gesamten Ausrüstung) oder aber eine Mitglied-schaft im Verein (25 Euro im Monat), mit der an verschie-denen Kursen das ganze Jahr teilgenommen werden kann.

KONTAKT:

HIS e.V., Förderverein am Institut für Bewegungswissenschaft der Universität Hamburg (mit der Hamburger Inline-Skating-Schule), Turmweg 2, 20148 Hamburg-Rotherbaum, Tel. 040 / 428 38 36 05, E-Mail: info@hisev.de, Web: hisev.de

Corinna Chateaubourg © SeMa

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