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Schnelle Erholung nach einer Operation – Fast-Track Surgery

Damit Patienten schnell wieder in ihr gewohntes Umfeld zurückkehren können, kommt in Krankenhäusern zunehmend das Konzept „Fast Track Surgery“ zum Einsatz.

Damit Patienten schnell wieder in ihr gewohntes Umfeld zurückkehren können, kommt in Krankenhäusern zunehmend das Konzept „Fast Track Surgery“ zum Einsatz.

Morgens lag Patientin Karin B. noch auf dem Operationstisch und erhielt ein künstliches Hüftgelenk. Am Nachmittag durfte die 65-Jährige bereits aufstehen und ihre ersten Schritte gehen. „Normalerweise stehen Patienten erst ein bis zwei Tage nach einer solchen Operation auf“, erklärt Prof. Dr. Thorsten Gehrke, Ärztlicher Direktor der Helios ENDO-Klinik Hamburg, einer Spezialklinik für künstlichen Gelenk-ersatz und Wirbelsäulenchirurgie.

Dass sich Karin B. schon so früh bewegen darf, ist Teil eines neuen Verfahrens, das auch an der ENDO-Klinik umgesetzt wird. Es nennt sich  „Fast-Track“, zu Deutsch etwa „schneller Weg“. Fast Recovery, Enhanced Re-covery, Fast Track Surgery – diese Begriffe bezeichnen ähnliche Konzepte, mit denen der Genesungsprozess von Patienten verbessert und  beschleunigt werden soll.

Das Konzept gibt es schon seit mehr als 25 Jahren in vielen Ländern. Nach ihrem Hüft- oder Knie-Ersatz sind die Patienten nicht nur schneller mobil, sondern haben auch weniger Schmerzen und können die Klinik früher wieder verlassen. „Wenn die Heilung gut verläuft und keine Komplikationen auftreten, entlassen wir unsere Patienten ab dem vierten Tag nach der Operation nach Hause oder in die Rehabilitation statt üblicherweise erst nach etwa acht Tagen“, so Prof. Thorsten Gehrke.

Um das „Fast-Track“-Verfahren zu ermöglichen, werden Patienten von Anfang an aktiv in den Heilungsprozess mit einbezogen. Dabei sind in der ENDO-Klinik sogenannte Patientenschulungen ein Konzeptbestandteil: „Wir schicken unseren Patienten etwa drei Wochen vor der Operation unser Patientenbegleit- und Schulungsheft „Hüfte“ oder „Knie“ und laden sie zu unserer Patientenschulung ein. So erfahren sie schon vor dem Klinikaufenthalt genau, wie ihre Behandlung aussehen wird, und zwar anhand eines Patientenpfads und physiotherapeutischer Übungen“, erklärt Prof. Thorsten Gehrke.

In den einstündigen Gruppenschulungen einen Tag vor der Operation erklären Pflegende die nächsten Schritte in der Klinik und beantworten Fragen zur OP-Vorbereitung, zur Patientensicherheit, zum Alltagsmanagement und zum Schmerz- und Wundmanagement. Physiotherapeuten erläutern die Erstmobilisation nach der Operation, zeigen Hilfsmittel und unterstützende krankengymnastische Übungen. So lernen Patienten bereits vor der Operation das Laufen mit den Gehstützen. „Der Patient kann nach der Operation selber aus dem Bett steigen und sich anziehen, und sowohl der Toilettengang als auch das Treppensteigen sind für ihn schneller möglich. Er ist also heute deutlich früher in der Lage, seine alltäglichen Aktivitäten wieder aufzunehmen“, erläutert Prof. Gehrke die Vorteile des Verfahrens. Trotzdem gilt: Wenn ein Patient noch nicht fit genug ist oder seine Wunde noch nässt, darf er nicht nach Hause.

Auch moderne, schonendere OP-Methoden spielen bei „Fast-Track“ eine wichtige Rolle. Ärzte benötigen nur kleinere Schnitte zum Einsetzen des Gelenks und müssen kaum noch Muskeln durchtrennen. Sehr wichtig ist zudem ein effektives Schmerzmanagement, denn je weniger Schmerz ein Patient spürt, umso leichter fällt es ihm, das Bewegungsprogramm nach der Operation zu absolvieren. „Dank einer effektiven Schmerztherapie haben unsere Patienten während und nach der Operation kaum Schmerzen“, so der erfahrene Mediziner. Unter anderem werden den Patienten während des Eingriffs antientzündliche und Schmerzmittel direkt ins Gelenk verabreicht.

Ganz wichtig ist außerdem, dass die nach dem OP-Tag gefürchteten postoperativen Komplikationen wie Thrombose oder Lungenembolie stark verringert werden können. Auf die Verwendung von Kathedern wird weitgehend verzichtet, störende Blasenkatheder oder Drainageschläuche werden möglichst nicht verwendet. Die Gefahr einer Infektion mit Krankenhauskeimen nimmt als Folge ab.

Ist die Methode denn für jeden Patienten geeignet? „Nein, wir müssen schon genau schauen, für welche Patienten dieses Konzept passt. Es hängt immer vom Einzelfall ab: Wie alt ist ein Patient, und hat er beispielsweise Begleit-erkrankungen“, so Prof. Dr. Thorsten Gehrke. Der Mediziner schätzt, dass rund 80 Prozent der Patienten davon profitieren können.