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Gürtelrose – das schlummernde Virus

Gürtelrose (Herpes zoster) tritt gehäuft bei älteren Menschen jenseits des fünften Lebensjahrzehnts auf. Laut Robert Koch- Institut (RKI) kann man davon ausgehen, dass jeder Zweite, der das 85. Lebensjahr erreicht, einmal während seines Lebens an einem Herpes zoster erkrankt ist. Etwa fünf Prozent der Erkrankten entwickeln als Komplikation Nervenschmerzen, die nach Abheilen des Hautausschlages wochen- bis  monatelang bestehen bleiben können.

Die Ständige Impfkommission hat in diesem Jahr die Impfung gegen Herpes zoster zur Pflichtleistung aller gesetzlichen Krankenkassen gemacht. Dies gilt für alle Personen ab einem Alter von 60 Jahren sowie für Personen mit einer erhöhten gesundheitlichen Gefährdung ab einem Alter von 50 Jahren.

Das SeMa sprach mit Manfred Börries, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Hamburg-Fuhlsbüttel, über Ursache und Behandlung der Gürtelrose. Er ist seit 26 Jahren in seiner Praxis tätig und unter anderem Spezialist für Allergologie und ambulante Operationen.

SeMa:
Inwieweit steht die Gürtelrose mit der „Kinderkrankheit“ Windpocken in Zusammenhang?

Manfred Börries:
Beim Erreger der Windpocken und der Gürtelrose handelt es sich um dasselbe Virus, nämlich das Varicella-Zoster-Virus. Das Virus ruft die beiden unterschiedlichen Krankheiten in der Regel

in verschiedenen Lebensphasen hervor: Windpocken (Varizellen) im Kindesalter, Gürtelrose (Herpes zoster) im höheren Alter. Die Gürtelrose ist keine Neuin-fektion. Das Varicella-Zoster-Virus schlummert nach einer Windpockenerkrankung in Ganglien, also Nervenknoten. Im höheren Lebensalter können die Viren aktiv werden und eine Gürtelrose auslösen. Das bedeutet, dass schon 10-Jährige eine Gürtelrose bekommen können. Und über 25-Jährige Windpocken, obwohl das eher die Ausnahme ist, weil Windpocken hoch ansteckend sind und heute auch die Impfung dagegen Standard ist. Als Erwachsener verläuft die Krankheit leider meist unangenehmer als im Kindesalter.

SeMa:  
Ist die Gürtelrose ansteckend?

Manfred Börries:
Ein klares Jein. Patienten mit einer Gürtelrose sind mit Erscheinen der Bläschen und bis zum Ein-trocknen der Bläschen ansteckungsfähig. Das dauert ungefähr sieben Tage. Es ist aber die Frage, woran man erkrankt. Wer noch keine Windpocken hatte und in Kontakt mit der Bläschenflüssigkeit kommt, kann an Windpocken erkranken, aber nicht an der Gürtelrose. Wer eine Gürtelrose hat, sollte möglichst Abstand halten zu seinen Mitmenschen, besonders zu Schwangeren und Neugeborenen, da es hier bei einer Ansteckung mit den Viren zu Komplikationen kommen kann.

SeMa:  
Wodurch kann eine Gürtelrose ausbrechen?

Manfred Börries:
Eine Gürtelrose kann durch großen Stress oder seelische Belastungen ausgelöst werden. Aber auch eine hohe UV-Strahlung und Sonnenbrandbegünstigen eine Erkrankung mit Gürtelrose. Zudem kann sie bei HIV- und Krebserkrankungen sowie nach einer Chemotherapie oder der Einnahme von Immunsupressiva, also Medikamenten, die die Immunabwehr herabsetzen, zum Ausbruch kommen.

SeMa:  
Wie wird die Gürtelrose behandelt?

Manfred Börries: Die Behandlung ist abhängig vom Grad und der Stärke der Gürtelrose. Es gibt Medikamente aus dem Bereich der Virustatika wie beispielsweise Aciclovir. Auf die Bläschen kann man Desinfektionslösung auftragen. Möglich ist eine lokal betäubende Lotion, die den Schmerz etwas nimmt. Die Patienten bekommen, je nach Ausprägung, eine begleitende Schmerztherapie. Wenn es eine ganz schlimme Variante ist, zum Beispiel im Kopfbereich oder wenn Bläschen nicht mehr klar erkennbar sind, sondern einblutend verkrustet sind, muss die Gürtelrose im Krankenhaus behan- delt werden. Dort können Medikamente über einen Tropf verabreicht werden, und die Beobachtung der Patientin oder des Patienten ist gegeben. Es ist in einer Klinik auch leichter, die Person zu isolieren, um eine Ansteckung zu vermeiden. Wichtig ist, dass die Patienten Ruhe einhalten und verstehen, dass eine Gürtelrose keine Erkrankung eines kleinen Hautareals ist, sondern des ganzen Körpers. Es bedarf der Schonung, um mit diesem Virusinfekt fertig zu werden.

SeMa:
Wie kann man sich vor einem Ausbruch der Gürtelrose schützen?

Manfred Börries:
Es gibt die Möglichkeit, sich gegen Gürtelrose impfen zu lassen. Generell gilt, dass Menschen mit einem guten Lebensstil, zu dem eine ausgewogene Ernährung, körperliche Aktivität und eine gute Psychohygiene gehört, weniger anfällig für eine Gürtelrose sind, als Menschen, deren Alltag von Stress, Problemen und Überforderung bestimmt ist.

SeMa:  
Danke für das Gespräch.
                           

S. Rosbiegal © SeMa