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Schaufensterkrankheit

Wenn fast jeder Schritt schmerzt ...

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) ist eine schwere Gefäßerkrankung, die im Volksmund „Schaufensterkrankheit“ genannt wird, weil die Betroffenen oft nur wenige Meter ohne Schmerzen gehen können und dann wieder stehen bleiben müssen.

Die Ursache der PAVK ist eine Arterienverkalkung (Arteriosklerose), die zu starken Einengungen oder sogar zum kompletten Verschluss von Gefäßen und damit zu Durchblutungsstörungen der Beine, seltener auch der Arme, führt. Die Schmerzen in den Beinen rühren daher, dass durch die verengten Gefäße zu wenig mit Sauerstoff angereichertes Blut zu den Muskeln transportiert werden kann, welches diese zum Funktionieren, gerade unter Belastung, benötigen.

Ursachen der Krankheit sind Vererbung, Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen. Bisher sind mehr Männer als Frauen betroffen (zwei Drittel zu einem Drittel). Leider holen gerade jüngere Frauen bei dieser Erkrankung auf. Das liegt zum einen am Rauchen und zum anderen an mangelnder Bewegung. Um die PAVK zu verhindern bzw. ihr Fortschreiten zu bremsen, ist es wichtig, die Begleiterkrankungen zu behandeln.

Die PAVK wird in der Gefäßmedizin in vier Stadien einge-teilt. Im ersten Stadium gibt es nur geringe Engstellen in den Gefäßen und diese verursachen keine Beschwerden. Im zweiten Stadium kommt es schon zu Schmerzen in Waden, Gesäß oder Oberschenkeln, und längere Wegstrecken machen Probleme.

Schmerzen in den Füßen und Zehen im Ruhezustand, besonders im Liegen, kommen im dritten Stadium hinzu. Im extremsten Fall, dem vierten Stadium, ist das Gewebe so geschädigt, dass es zu Amputationen kommen kann.

„Eine große bundesweite Studie (getABI) hat gezeigt, dass jeder Fünfte der beim Hausarzt Untersuchten eine PAVK im beginnenden oder sogar fortgeschrittenen Stadium hatte, ohne davon zu wissen. Oft wird dann hinter den Beschwerden ein orthopädisches Problem, z. B. Arthrose oder ein Muskel- faserriss, vermutet, und die Behandlung verzögert sich“, schreibt die Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesell- schaft für Gefäßmedizin (DGA) in ihrem „DGA-Ratgeber Arterien“. Etwa die Hälfte der PAVK-Fälle betreffen die Oberschenkelarterie. Liegt die Ursache hier, ist der Puls in der Kniekehle und am Fuß nicht mehr zu tasten. Schmerzen bestehen hauptsächlich in der Wade. Etwa bei 30 Prozent der Fälle ist die Verengung in der Hauptschlagader im Beckenbereich. In der Leiste, Kniekehle und am Fuß fehlt der Puls. Hier klagen die Patientinnen und Patienten über Schmerzen in Gesäß, Oberschenkel und Wade. Etwa bei 20 Prozent der Fälle liegt die Verengung in den Arterien des Unterschenkels und Fußes. Am Fuß ist kein Puls tastbar, und die Fußsohle kann schmerzen.

Ärzte diagnostizieren die Krankheit zunächst mit dem Erfragen der möglichen Wegstrecken, die ohne Schmerzen gelaufen werden können, sowie mit dem Tasten des Pulses in der Leiste, den Kniekehlen und an den Füßen. Fehlt dieser an einer Stelle, deutet dies auf eine Erkrankung hin. Ein weiteres diagnostisches Verfahren ist die Lagerungsprobe nach Ratschow, bei der die Beine des Patienten über etwa eine Minute hoch gelagert werden. Dabei muss der Untersuchte die Füße kreisen lassen. Anschließend soll der Patient sie herabhängen lassen. Besteht eine arterielle Verschlusskrankheit, erblasst der betroffene Fuß beim Hochlagern, da er unzureichend durchblutet wird. Beim Herabhängen wird er erst später als der andere Fuß wieder rosig.

Besteht der Verdacht einer PAVK, gibt eine Ultraschallunter- suchung Aufschluss über die Beschaffenheit der Gefäß-wände und die Fließgeschwindigkeit. Auch eine Kathederbehandlung bringt Aufklärung. Hierbei wird Kontrastmittel in ein Gefäß in der Leiste gespritzt. Mittels einer Röntgenkontrolle kann die Ärztin oder der Arzt sehen, ob und wie sich das Kontrastmittel verteilt und wo es durch eine Verengung nicht hindurchfließt. Dort kann mittels eines Ballons das Gefäß aufgedehnt werden und bei Bedarf mit einem Stent (Metallgerüst) offen gehalten werden. Wird die PAVK nicht rechtzeitig erkannt, steigt das Risiko eines Herzinfarkts, Schlaganfalls oder eine Amputation durch plötzlichen Gefäßverschluss.

Mit einer Behandlung der Grunderkrankungen, dem Verzicht aufs Rauchen, einem gezielten Gehtraining sowie medikamentöser Behandlung kann der PAVK entgegengewirkt werden. Patientinnen und Patienten mit einer PAVK müssen auch nach einer Therapie regelmäßig durch den Hausarzt oder Gefäßmediziner untersucht werden.

S. Rosbiegal © SeMa