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SCHILDDRÜSE –
KLEIN, ABER OHO

Ein kleines Organ, das aussieht wie ein Schmetterling und in der menschlichen Halsregion angesiedelt ist, hat großen Einfluss auf unser Wohlbefinden. Die Schilddrüse speichert Jod und bildet die Hormone Thrijodthyronin, Thyroxin und Calcitonin. Diese Produktion wird von der Hirnanhangdrüse geregelt. Die Schilddrüse fördert durch die Hormone den Umsatz von Kohlenhydraten, die Aufnahme von Glukose, die Wärmeproduktion, den Cholesterinabbau, den Sauerstoffverbrauch, die Muskelfunktion, Herzschlag und Blutdruck. Die Hormone sind ebenso beteiligt an der Entwicklung des zentralen Nervensystems, des Skeletts und der Genitalorgane. Ist dieser Hormonhaushalt gestört, kommt es zu vielen Fehlfunktionen, die einer Behandlung bedürfen.

Schilddrüsenunterfunktion

Werden die Hormone in zu geringer Menge gebildet, spricht man von einer Schilddrüsenunterfunktion. Durch die zu geringe Produktion fühlen sich die Menschen mit dieser Krankheit leistungsschwach, antriebslos und müde. Zudem können Haare ausfallen, das Gewicht steigt, ohne, dass mehr Nahrung zugeführt wurde und die Haut ist trocken. Der Puls ist verlangsamt und man friert leichter. „Mindestens 2% aller Frauen, aber nur ca. 0,1%-0,2% der Männer leiden an einer Unterfunktion der Schilddrüse, die meist zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr entdeckt wird“, schreibt der Berufsverband Deutscher Internisten e.V. auf seiner Internetseite. Wer Symptome bei sich entdeckt, sollte durch eine Blutuntersuchung beim Arzt 

abklären lassen, ob die Schilddrüse erkrankt ist. Mit der Einnahme von Thyroxin kann der Hormonmangel gut ausgeglichen werden.

Schilddrüsenüberfunktion

Bei einer Überfunktion produziert die Schilddrüse mehr Thyroxin und Trijodthyronin als der Körper benötigt. Die führt zu einer krankhaften Steigerung der Stoffwechselprozesse. Die Überfunktion tritt wesentlich häufiger bei Frauen als bei Männern auf. Bei einer Überfunktion klagen die Patienten über einen unerklärlichen Gewichtsverlust trotz größerem Hunger. Nervosität, Herzrasen, Schlaflosigkeit, Schweißausbrüche, Haarausfall und Durchfall können Symptome der Erkrankung sein. Mit Ultraschall, Blutuntersuchungen und einer Szintigraphie (eine nuklearmedizinische Untersuchung, bei der mittels schwach radioaktiver Substanzen die Funktion des Gewebes dargestellt werden kann) können Ärzte klären, ob es sich um eine Überfunktion handelt. Dabei kann auch geklärt werden, woran die Überfunktion liegt. Eine der Ursachen ist die „Basedowsche Erkrankung“. Bei dieser sogenannten Autoimmunerkrankung bilden sich Antikörper gegen die Schilddrüse.

Im Zuge der Erkrankung kommt es zu einer gesteigerten Produktion von Schilddrüsenhormonen. Typisch für die „Basedowsche Erkrankung“ sind die hervortretenden Augen. Dies kommt dadurch, dass sich die Autoimmunprozesse auch im Gewebe der Augenhöhlen zeigen. Eine weitere Ursache für eine Überfunktion ist die sogenannte „Autonomie“, bei der die Schilddrüse selbstständig, ohne Steuerung der Hirnanhangsdrüse, Hormone produziert. Behandelt wird die Überfunktion mit Medikamenten, die die Überproduktion regulieren. In schweren Fällen muss durch eine Operation Gewebe entfernt werden.

Kropf und Knoten

Der Kropf, der in der Medizin Struma genannt wird, was für „Drüsenschwellung am Hals“ oder „Geschwulst“ steht, ist die nach außen sichtbare vergrößerte Schilddrüse. Wer häufiger Schluckbeschwerden oder Luftnot hat, eine Schwellung am unteren Hals feststellt oder ein Gefühl hat, als ob ein Kloß im Hals steckt, sollte dies einem Arzt mitteilen. Beim Kropf ist entweder die gesamte Schilddrüse vergrößert oder durch Knoten verschiedene Bereiche. 
Oft ist es ein Jodmangel, durch den der Kropf entsteht. „Eine vergrößerte Schilddrüse bei gleichzeitig normaler Hormonproduktion, ist die häufigste Erkrankung des Hormonsystems in Deutschland“, schreibt der Berufsverband Deutscher Internisten e.V. auf seiner Internetseite: „Etwa 33% der Deutschen haben einen Kropf und fast 9% Knoten in der Schilddrüse“. Es kann sich aber auch eine Über- oder Unterfunktion herausbilden.

Auch Knoten können sich durch Jodmangel bilden. Die Hirnanhangdrüse gibt bei Jodmangel ein Hormon ins Blut, das die Produktion der Schilddrüsenhormone ankurbelt (Thyreoidea stimulierendes Hormon, TSH). Durch das vermehrte TSH vergrößern sich die Schilddrüsenzellen und es kann ein gutartiger Schilddrüsentumor entstehen.


Entzündungen und die HashimotoThyreoiditis

Schilddrüsenentzündungen sind im Vergleich zu anderen Erkrankungen dieses Organs recht selten. Bakterien, Viren, Verletzungen der Schilddrüse oder eine Strahlenbehandlung können zu einer Entzündung führen. Am häufigsten entsteht eine Entzündung durch eine Autoimmunerkrankung, wie der Hashimoto-Thyreoiditis, die nach ihrem Entdecker, dem japanischen Arzt Hakaru Hashimoto (1881-1934) benannt wurde. 

Bei dieser Entzündung wird das Gewebe der Schilddrüse zerstört, wodurch die Hormone nur unzureichend produziert werden können. Bei einer hierzulande weniger verbreiteten Variante vergrößert sich die Schilddrüse und ein Kropf entsteht.

Schilddrüsenkrebs

Schilddrüsenkrebs ist im Vergleich zu anderen Krebsarten eher selten. Die Heilungschancen sind bei rechtzeitiger Erkennung hoch. „An Schilddrüsenkrebs erkranken in Deutschland jährlich etwa 4.390 Frauen und 1.820 Männer“, so das Robert-Koch-Institut. „Das mittlere Erkrankungsalter beträgt bei Frauen 51 Jahre und bei Männern 56 Jahre, wobei die Erkrankung gerade bei Frauen auch schon im jüngeren Alter vorkommt.“ Behandelt wird der Krebs durch Operation, Radio-Jod-Therapie, Strahlen- oder Chemotherapie. Auch Kombinationen dieser Methoden werden zur Heilung genutzt.

Jod ist entscheidend

Damit die Schilddrüse die lebenswichtigen Hormone produzieren kann, ist Jod besonders wichtig. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Jugendliche und Erwachsene 180 bis 200 µg Jod am Tag. Deutschlands Böden und damit die Pflanzen enthalten zu wenig Jod, um als Lieferanten des Nährstoffes zu gelten. Besonders in Seefisch ist das Spurenelement enthalten und über das Jodsalz, das in den meisten deutschen Haushalten zum Würzen verwendet wird, kommt man dem Bedarf näher. Zudem nehmen wir es in Milch, Käse, Fleisch und Eiern auf, denn viele Futtermittel sind mit Jod angereichert. „Die aktuelle Jodversorgung der deutschen Bevölkerung liegt im mittleren unteren Bereich der von der WHO geforderten Zufuhr“, berichtet das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. „Deutschland ist also kein Jodmangelgebiet. Allerdings ist diese Jodversorgung noch nicht optimal.“

S. Rosbiegal © SeMa