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Mit Schiffen auf Du und Du

Zwei Kanal-Routen im Norden ideal geeignet für Senioren-Radler.

Es muss nicht immer die ganz große Tour sein. Viele Radler der Generation 65plus scheuen wochenlange Bike-Reisen mit etlichen Übernachtungen in verschiedenen Herbergen. Andererseits suchen sie immer noch einen Hauch Abenteuer auf dem Sattel – ein bisschen mehr als eine Tagestour darf es schon sein.

Das Senioren-Magazin (SeMa) stellt zwei Strecken über drei/vier Tage im Norden vor, die zu einem lohnenden Erlebnis werden, andererseits die Beine jenseits von Langstreckentouren nicht überanstrengen. Sie haben eines gemeinsam: Die Oldie-Biker fahren Auge in Auge mit mehr oder weniger großen Schiffen am Ufer von zwei ausgebauten Wasserwegen. Beim Radeln ohnehin, aber auch bei den Pausen schippert die Abwechslung geradezu vorbei.

Links der Kanal, voraus der Radweg und auf dem Rücken der Rucksack. Die Strecke direkt am Elbe-Seiten-Kanal zwischen Lübeck und Lauenburg mag keine hohen Ansprüche stellen. Der Radgruppe von Rentnern, die an diesem Tag hintereinander die „Alte Salzstraße“ mit ihren Rädern befährt, scheint das gleichgültig zu sein. Im Gegenteil: Jutta Graf (71) zum Beispiel ist gerade deswegen angetan. „Man kann sich nicht verfahren, kann sich auf die schöne Natur am Wasserweg konzentrieren“, sagt die Radlerin aus Hamburg-Rissen. Die Orientierung auf dem rund 110 Kilometer langen Weg bis Lüneburg ist auch für sie einfach, Gefälle gibt es nicht und interessant wird die Strecke allein schon dadurch, weil der Kanal für die Schifffahrt freigegeben ist. Regelmäßig grüßen die Amateur-Kapitäne von ihren  Steuerrädern die fitte Rentner-Truppe an ihren Lenkern.  Auch die ausführlichen Schautafeln, die an den Schleusen des Kanals historische Einzelheiten erläutern, wollen von den Rad-Amateuren beachtet werden. „Es ist schon toll, was man da so alles erfahren kann“, schwärmt die sportliche Dame aus Hamburg-Rissen weiter.

Um die Natur und die Geschehnisse auf dem Elbe-Seitenkanal zwischen Lübeck und Lüneburg wirklich genießen zu können, sollten Senioren-Radler ruhig zwei Übernachtungen einplanen. Es bieten sich geradezu Mölln und Lauenburg, wo der Kanal in die Elbe mündet, an (siehe Info-Kasten nebenstehend). Gerade in Lauenburg locken die Altstadt und der Blick auf die Elbe gleichermaßen – wenn man sich die Ruhe denn gönnt.

Größer als auf dem Wasserweg zwischen Lübeck und Lauenburg sind die Begleiter freilich auf dem Nord-Ostsee-Kanal, der sich von Brunsbüttel den Weg nach Kiel-Holtenau bahnt. Regelmäßig sind sogar Kreuzfahrtschiffe zu beobachten, die diese Abkürzung benutzen. Dabei mag die so genannte Nord-Ostsee-Kanal-(NOK)-Express-Route direkt am Kanal (etwa 112 Kilometer lang) ebenfalls eher eintönig wirken, aber auch hier gilt: Keine Orientierungsprobleme, keine Gefälle und Schiffe satt im Blick. Für Radler im „besten Alter“ auch auf dieser Strecke ein Riesenvorteil. Zwischen Brunsbüttel und Kiel sollten es dann besser  zwei Übernachtungen sein, der Genießer sollte sein Recht bekommen (auch hier siehe Info-Kasten nebenstehend).

So einfach die beiden Strecken erscheinen (gute Feldwege und Wege mit zwei Betonplatten-Spuren wechseln sich an den Kanälen ab), sollten unerfahrene Radler selbst diese nicht unterschätzen. Vor allen Dingen der Wind spielt im Norden immer eine Rolle. Ob es nun wirklich ein E-Bike mit allen seinen Vorteilen sein muss, muss jeder mit Blick auf seine Kräfte (immerhin ist Gepäck für ein oder zwei Nächte auf dem Rad dabei) entscheiden. „Gerade weil ich den Gegenwind doch unterschätzt habe, würde ich beim nächsten Mal ein E-Bike nehmen“, sagt zum Beispiel Brigitte Hildebrandt nach ihrer Tour am Elbe-Seiten-Kanal. „Man kann das Ganze doch viel entspannter genießen“, spricht sie sich für die elektrische Hilfe an den Pedalen aus.  Sie würde sich beim nächsten Mal auch noch mehr Muße wünschen. „Es gibt unwahrscheinlich viel zu sehen und dafür braucht man eben Zeit“, sagt die 70-jährige Radlerin aus Hamburg-Niendorf.

Eines aber beweisen diese beiden gradlinigen Routen an den Kanälen: Es müssen gerade in fortgeschrittenem Alter nicht immer die großen Fernradwege sein, die schon einmal eine oder zwei Wochen am Lenker bedeuten. Für erfahrene Radler mögen diese im Urlaub lohnende  Herausforderungen sein, die Kanalrouten sind eben  vor allen Dingen etwas für „Neueinsteiger“. Und nun mal ehrlich: Ein klein wenig vom großen Rad-Abenteuer bieten sie dann doch.   

Nord-Ostsee-Kanal, Express-Route
Als Express-Route wird der Radweg direkt am Nord-Ostsee-Kanal (NOK) von Brunsbüttel bis Kiel-Holtenau bezeichnet. Der Weg, der von der Nordsee bis zur Ostsee führt, hat insgesamt eine Länge von 112 Kilometern ohne nennenswerte Gefälle. Es geht praktisch die gesamte Strecke Seite an Seite mit den großen Pötten.

Auch hier bieten sich für den Radler, der die Angelegenheit ruhig angehen und genießen will,
zwei Übernachtungen an. Hier einige Tipps:

• Schafstedt: Kanal 33, Pension, Café, Biergarten, 25725 Schafstedt, Hohenhörner Str. 33,
Tel.: 04805/901 49 33, E-Mail: info@kanal33.de
• Breiholz: Ahoi-Hotel am Nord-Ostsee-Kanal, Meckelmoor 3a, 24797 Breiholz, Tel.: 04875/90 27 77, Mobil: 0173/594 27 78, E-Mail: info@ahoi-hotel.de, Internet: www.ahoi-hotel.de
• Rendsburg: Antje´s Gästehaus, Preußerstraße 8, 24768 Rendsburg, Tel.: 04331/242 81,
Mobil: 0172/658 92 62, E-Mail: info@antjes-gaestehaus.de, Internet: www.antjes-gaestehaus.de
• Bahnstationen gibt es in Burg, Albersdorf, Hanerau-Hademarschen, Rendsburg und in Kiel.
• Zur Information über Schiffe im Nord-Ostsee-Kanal siehe im Internet:

www.traumschiffe-im-kanal.de.

 

Radweg „Alte Salzstraße“ von Lübeck nach Lüneburg
Die Strecke am Elbe-Seitenkanal bis Lauenburg beträgt rund 85 km, der Radweg „Alte Salzstraße“ läuft danach weiter bis Lüneburg (insg. rund 110 km/lange Zeit ebenfalls am Kanal). Von der zweiten Übernachtungsstation in Lauenburg kann auch direkt der Weg mit dem Rad nach Hamburg genommen werden. Allerdings sollte linksseitig der Elbe Richtung Hamburg gefahren werden (keine Gefälle).
Es gibt dann zwei alternative Routen nach Hamburg: Bei Geesthacht wieder die Elbe überqueren oder mit der Fähre Hoopte/Zollenspieker übersetzen  und auf der alten Bahntrasse Richtung Bergedorf weiterfahren. Diese Routen (statt mit der Bahn von Lüneburg zurück nach Hamburg) verlängern die Radtour jedoch erheblich.

 

• Als Übernachtungsmöglichkeiten bieten sich Mölln (z. B. Hotelpension Waldlust, Lindenweg 1,
23879 Mölln, Tel.: 04542/28 37) und Lauenburg (z.B. Zum alten Schifferhaus, Elbstr. 114,
21481 Lauenburg, Tel.: 04153/586 50, direkt an der Elbe) an.
Die ersten beiden Etappen direkt am Kanal haben eine Länge von jeweils rund 40 km,
von Lauenburg nach Lüneburg sind es dann noch 30 km (s.o.).
• Bahnhöfe sind in Lübeck und in Lüneburg, auf der Strecke gut erreichbar weiterhin in Mölln,
Büchen oder Lauenburg.
• Der Radweg „Alte Salzstraße“ am Elbe-Seitenkanal im Internet:
www.sh-tourismus.de/aktivitaet/mit-dem-rad/alte-salzstrasse.

 

K. Karkmann © SeMa