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Mobil mit Ape

Den Radius erweitern, neue Dinge sehen, mal rauskommen

Die Piaggio-Ape in der Cabrioversion „Calessino“ steht den Bewohnern für Ausfahrten ins Grüne zur Verfügung.

Foto: Ketelhut

Was dem einen seine Vespa (ital. = Wespe) ist dem anderen seine Ape (ital. = Biene). Im Gegensatz zur Vespa ist die Ape aber eine Art Kleinlaster, mit dem auch Waren oder Menschen transportiert werden können. Hergestellt wird die Ape seit 1947 in Italien vom italienischen Hersteller Piaggio.

Eins dieser tollen Gefährte steht in der Cabrioversion „Calessino“ seit 2018 auch im Hartwig-Hesse-Quartier in St. Georg. Das Verdeck kann wie bei einer Kutsche geöffnet werden. Wenn es mal tröpfelt, wird es geschlossen, die Mitfahrer bleiben geschützt. Praktisch ist, dass das Fahrzeug der Hartwig-Hesse-Stiftung in diesen Tagen mit den coronatypischen Plexiglasscheiben ausgestattet ist. So kann sich niemand darin anstecken, auch wenn die Gefahr einer Ansteckung durch den Fahrtwind vermutlich sehr gering ist. Die Seiten der „Blech-Biene“ sind offen, es weht eine schöne Brise; auch an diesem Freitag, an dem wir die Ape testen.

Mit bis zu 60 Sachen durch die Landschaft

Ansteckeckend ist hier vor allem die gute Laune, die sich einstellt, sobald die Ape losbraust. Viel technisches Know-how braucht die Fahrerin oder der Fahrer des italienischen Kleintransporters nicht. Choke ziehen, die Handkupplung auf „N“ stellen und starten. Zum Losfahren wird der erste Gang eingelegt, Kupplung langsam kommen lassen und parallel mit der rechten Hand Gas geben, schon ruckelt die Ape los. Vier Gänge hat das Fahrzeug, aber nur ein Pedal: die Bremse. Auch sonst ist das Dreirad eher spartanisch ausgestattet. Ein Radio oder eine Heizung gibt es nicht.
Es ruckelt, es knackt, es scheppert ... ich fühle mich an die ersten Fahrten als Beifahrerin auf dem Mofa von einem der coolen Jungs bei uns auf dem Dorf erinnert. Dabei ist die Ape viel schneller: Bis zu 60 km/h schnell kann das Vespa-car fahren. Ausgestattet mit 50 Kubik, kann sie locker einen Fahrer und zwei Mitfahrer beispielsweise an die Alster oder ins Alte Land bringen. Und das ist auch der Zweck dieses Fahrzeugs hier: Die Ape wird vom Team der Stiftung für Fahrten mit Bewohnern genutzt. Aber auch Angehörige und Freunde können es bei Caterina Köhler in der Hartwig-Hesse-Stiftung ausleihen und mit den Bewohnern der Hartwig-Hesse-Häuser eine Fahrt ins Grüne machen. „Einfach mal rauszukommen ist für Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, eine tolle Sache“, sagt Caterina Köhler, Verwaltungsangestellte der Hartwig-Hesse-Stiftung. „Der Radius um die Einrichtung kann mit der Ape deutlich vergrößert werden, und so eine Ausflugsfahrt hat auch viele positive Effekte für den Kopf und das Gemüt.“ Voraussetzung für eine Fahrt mit der Ape sei lediglich der Besitz eines Führerscheins Klasse II.

Ein schönes Gefährt: Ausgestattet mit 50 Kubik, ist die Ape bis zu 60 km/h schnell. Auf technischen Schnickschnack wird verzichtet.

Foto: cc

Auf Schnickschnack verzichtet der Hersteller Piaggio

Da der ambulante Dienst immer besetzt sei, könne man sich die Schlüssel für die Ape fast zu jeder Zeit abholen. Wer sich unter 040/253284-11 anmeldet, bekommt eine Einweisung, und dann kann es losgehen. Nach der Winterpause machen wir heute erst mal eine kleine Runde. Dank der geringen Breite (knapp 1,30 Meter) und einem kleinen Wendekreis zirkelt Caterina Köhler auch durch schmale Straßen und Durchgänge. Das Getriebe scheint manchmal zu zicken, doch die schnarrenden Geräusche beim Schalten seien normal, versichert die Fahrerin. Klein, aber unüberhörbar.

Als kleines Fahrzeug werden wir weder auf dem Steindamm noch auf dem noch breiteren Berliner-Tor-Damm übersehen. Auch wenn ambulante Mediziner (mobiler Zahnarzt oder Optiker zum Beispiel) sowie Kaffeeausschenker das Fahrzeug inzwischen als werbewirksamen Hingucker an Straßenrändern parken oder auf Märkten als Standersatz einsetzen, ist die Ape immer noch eher selten im deutschen Straßenbild zu sehen. Zu überhören ist der knatternde Zweitakter nicht. Als wir fürs Foto anhalten, nähert sich gleich ein Spaziergänger mit Hund und erzählt von seiner Verbindung zur Ape aus vergangenen Tagen.

Die Ape der Hartwig-Hesse-Stiftung kann auch mit Fahrer reserviert werden. In einem Sicherheitstraining haben neben den Mitarbeitern Hausmeister Rainer und ein Ehrenamtlicher die nötigen Kenntnisse erworben. Und manchmal kann man sogar den Chef, Maik Greb, Geschäftsführer der Stiftung, mit der Ape in den Sonnenuntergang fahren sehen.                 
Mit der Ape einen Ausflug machen können alle Bewohner der Hartwig-Hesse-Häuser (St. Georg, Rissen). Anmeldung unter 0 40/25 32 84-11. Auch Angehörige oder Freunde von Bewohnern können die Blech-Biene gegen Vorzeigen des Führerscheins und nach einer technischen Einweisung für einen Ausflug ausleihen.

 

Corinna Chateaubourg © SeMa

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