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Musik-Bringdienst

„Die Lust, in echt zu spielen“! Wie funktioniert der Musik-Bringdienst „Musikando“?

Kurkonzert im Innenhof: Die jungen Musiker bekommen eine Gage, die Senioren dürfen den Klängen kostenlos lauschen. Credit: Körber-Stiftung/Jann Wilken

Seit Januar touren die Musiker/-innen des Musik-Bringdienstes „Musikando“ durch Hamburger Senioreneinrichtungen. Das ist für beide Seiten beglückend. Für die Bewohner/-innen, die mal wieder an einem richtigen Konzert teilnehmen können. Und für die Musiker/-innen, die mal wieder „in echt“ vor Publikum auftreten können. Applaus.

Die Idee zum Musikbringdienst „Musikando“ entstand fast nebenbei, in der Küche sozusagen –, um im selbst gewählten Bild des innovativen Kulturprojekts TONALi zu bleiben. In der Küche statt am gut gedeckten Esstisch werden (um im Bild zu bleiben) bei dem Projekt Musiker/-innen und Publikum gleichermaßen bei der Ideenfindung und Gestaltung von Kulturleben gefördert. So entstand die Idee zum Musikbringdienst zunächst beim „Rumspinnen in der Küche“, erzählt Jan Geisler, Projektmanager bei TONALi. Das Publikum war in diesem Fall zwar nicht dabei, hat aber sonst bei diesem Kulturprojekt viele Mitgestaltungsmöglichkeiten.

In dicke Jacken eingemummelt, können Senioren in verschiedenen Einrichtungen an Kurkonzerten im Freien teilnehmen und der Musik lauschen. Credit: Körber-Stiftung/Jann Wilken

TONALi überträgt die Willensbildung für das Zustandekommen von Musik auf das Publikum, beteiligt es, involviert es in die Lebenswelt der jungen Nachwuchsmusiker/-innen, die sich durch TONALi als künstlerische Exzellenz gesellschaftlich engagieren. „Dieser Ansatz überzeugt mich“, sagte Kirill Petrenko, Chefdirigent der Berliner Philharmoniker über die Arbeitsweise von TONALi. Jetzt hat sich das Hamburger Kultur- und Bildungsprojekt etwas Neues, etwas der aktuellen Zeit Angepasstes, ausgedacht. Und das läuft gut, sehr gut sogar. Spontan und flexibel
Das erste Mal gingen drei Musiker am 22. Januar zum Kurkonzert ins Seniorenheim Ansgar in Langenhorn. Das heißt, sie gingen nicht, sie kamen auf E-Rollern angefahren. Das war schon mal ein echter Hingucker und kennzeichnend für die lockere Aktion. „Die Musiker/-innen reisen meistens individuell an und werden nicht etwa mit einem Tourbus zu den Veranstaltungsorten gebracht“, betont der Projektmanager. „Spontanität und Flexibilität sind bei diesem Projekt sehr nütz-lich, damit der Organisationsaufwand überschaubar bleibt.“

Etwa 15 Minuten holten die drei Studenten der Musikhochschule im Freien aus ihren Blasinstrumenten, was die Tem-peraturen zuließen. Denn zum Draußen-Musizieren eignen sich nicht alle Instrumente, so Geisler, „kostbare Streich- oder Holzblasinstrument können bei Minusgraden nicht eingesetzt werden.“

50 Musiker und über 80 Einrichtungen haben sich bereits beworben, etwa 40 Konzerte konnten in 16 Einrichtungen bis Redaktionsschluss stattfinden, 60 weitere stehen im März auf der Agenda. Wenn es das Wetter zulässt oder keine Impftermine in den Einrichtungen dazwischenkommen.

Auf dem Programm der drei Trompeter, Musikstudenten an der Musikhochschule in Hamburg, stand Klassik und Jazz.
Credit: Körber-Stiftung/Jann Wilken

Auf dem Programm: Klassik und Jazz

Vielleicht kann „Musikando“ sogar noch länger Musik zu den Menschen bringen, wenn es die Fördergelder oder Spenden ermöglichen. Aktuell teilen sich mehrere Stiftungen, darunter die Toepfer- und die Körber-Stiftung, die Kosten. Denn – und das ist das Gute an dieser Aktion – die jungen Musiker werden pro Auftritt bezahlt. „Das sind keine großen Summen, ermöglicht es den Musikern aber immerhin, überhaupt mal wieder etwas mit ihrer Arbeit zu verdienen“, so Projektleiter Geisler. Künstler – und das wird in der der aktuellen Diskussion gern vergessen – leben ja nicht nur vom Geld, sondern auch von der Wahrnehmung, Anerkennung und Reaktion des Publikums. Wo weitere Konzerte stattfinden, steht auf der Webseite unter www.tonali.de/termine/. Spontane Besucher sind – der aktuellen Situation geschuldet – leider nicht zugelassen.

Der Musikbringdienst „Musikando“ ist eine gemeinsame Aktio der Alfred Toepfer Stiftung, Claussen-Simon-Stiftung, Dürr Stiftung, Gabriele Fink Stiftung, Homann-Stiftung, Körber-Stiftung, Nordmetall-Stiftung, Stiftung Nachbarschaft, TONALi gGmbH und der Elbphilharmonie Hamburg.
Musiker und Einrichtungen können sich weiterhin unter www.tonali.de/musikando-anmeldung/ anmelden.

 

Corinna Chateaubourg © SeMa

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