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Nena – 40 Jahre Popkultur

Nena ist ein großes Stück der Popkultur Deutschlands. Ihren größten Durchbruch erreichte sie in den 80er Jahren

Ihre Fans sind sich einig, dass Nena eine tolle Frau ist und Musik macht, die unter die Haut geht, die Seele berührt und Emotionen hervorruft. Die inzwischen vierfache Oma ist noch immer eine Powerfrau, die authentisch ist. 2018 feierte sie ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum auf ihrer „Nichts versäumt“-TOUR. Das atemberaubende Konzert in der ausverkauften Dortmunder Westfalenhalle ist jetzt auf einer DVD erschienen und bestimmt ein ideales Weihnachtsgeschenk für ihre Fans. Ein Teil ihrer größten Hits wie zum Beispiel „Wunder gescheh‘n“, „Liebe ist“ und natürlich ihr Welterfolg „99 Luftballons“, der sie 1983 an die Spitze der Charts katapultierte, sind auf dieser DVD.

 

Unsere Redaktion bekam ein Exklusiv-Interview mit der Künstlerin.

SeMa: Sie feiern in diesem Jahr Ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum – können Sie sich noch an Ihren ersten Auftritt erinnern? Wann war das und wo, und wissen Sie noch, was Sie damals als Gage bekamen ?

Ich erinnere mich an alles. Den Tag, den Ort, die Leute, die da waren … Und auch daran, dass ich zunächst eigentlich gar nicht auf die Bühne wollte. Mir hatte es völlig gereicht, mit meiner Band im Proberaum Musik zu machen, zu singen und ein bisschen Gitarre zu spielen. Als die Jungs meiner Band dann eines Tages meinten: So, wir spielen jetzt mal ein Konzert, …, war meine Reaktion: Warum denn?! Es geht uns doch gut! (lacht) Aber ich hab mich zum Glück überzeugen lassen. Und ich weiß noch: Ich hatte einen Mega-Respekt vor dieser Herausforderung. Bis ich schließlich hinter der Bühne des Hasper-Jugendheims stand, mir mein Vater noch den Puls fühlte, ich dieses kleine Treppchen zur Bühne hinauf-ging, drei Stufen, und mir, als ich oben war, das Mikrofon schnappte. In dem Moment war alles klar: Das ist mein Ding! Und, Gage … na ja, bei dem Konzert waren 28 Menschen, 24 davon Family und Friends, drei oder vier Leute hatten sich ein Ticket gekauft.

SeMa: Haben Sie einen Lieblingssong aus Ihrem großen Repertoire?

Das wechselt ständig. Im Moment sind es “Lass mich dein Pirat sein“ und „Genau jetzt“.

SeMa: Das aktuelle Album heißt: Nena - nichts versäumt - ein Livemitschnitt Ihres Konzerts in der Dortmunder Westfalenhalle. Was ist das für ein Gefühl, wenn bei so einem Konzert das gesamte Publikum die Texte kennt, mitsingt und auch Tausende Handy-Lampen leuchten?

Das ist Gänsehaut pur! Ich nenne es gerne auch Austausch von Herzenergie. Ein gutes Konzert bedeutet Anschluss. Sich auf eine Art mit den Menschen zu verbinden, denen man dort begegnet. Und es ist herrlich, mit den Leuten, die in die Konzerte kommen, im direkten Austausch zu sein und zu spüren, wie sehr die Lieder sie berühren.

SeMa: Gibt es ein Ritual vor den Auftritten? Wenn ja, welches?

Kurz vor Showbeginn spreche ich meistens noch ein kurzes Gebet und konzentriere mich einen Moment lang auf meinen Atem. Und in der Sekunde, bevor es dann tatsächlich auf die Bühne geht, bilden wir als Band einen Kreis, führen unsere Hände in der Mitte zusammen und stoßen gemeinsam einen lauten Schrei aus und lassen unsere Arme dabei nach oben fliegen. Das tut uns allen sehr gut, weil wir uns darüber nochmal kurz und knackig miteinander für den Auftritt verbinden.

SeMa: Wann haben Sie zum ersten Mal gemerkt, dass Musik Ihre Profession ist?

Jedes Kind hat einen natürlichen Zugang zur Musik, und bei uns zu Hause wurde viel gesungen. Dank meiner Mutter kann ich heute noch viele traditionelle Lieder auswendig und singe sie jetzt mit meinen vier Enkeln. Allerdings ist für mich Musik eher Lebensgefühl als Profession. Als ich mit 17 meine erste Band hatte, wusste ich zum Beispiel überhaupt nicht, dass es so was wie goldene Schallplatten gibt. Wir waren zu viert: ein Drummer, ein Bassist, ein Gitarrist und eine Nena. Das war romantisch und auch ein bisschen wild: im Proberaum zu sein, Songs von unseren Lieblingsbands nachzuspielen und von der großen weiten Welt zu träumen. Es ging um dieses ganz bestimmte Lebensgefühl und damit den eigenen Lebensraum zu erweitern. Und aus diesem Gefühl bin ich nie mehr wirklich ausgestiegen, das trägt mich durch mein Leben.

SeMa: Ihre aktuelle Tour heißt „Nichts versäumt“. Haben Sie im Leben privat etwas versäumt, was Sie unbedingt noch nachholen möchten – wenn ja, was?

Ich hatte tatsächlich noch nie das Gefühl, in meinem Leben etwas versäumt zu haben. Außer in meiner Teenagerzeit, so zwischen 15 und 16, da hatte ich echt Sorge, etwas zu verpassen. Deshalb war ich auch jeden Abend unterwegs, und das hat mir als Erfahrung auf der Ebene gereicht.

SeMa: Sie haben in Filmen mitgespielt, als Synchronsprecherin gearbeitet, Ihre Biografie geschrieben, sehr viele Auszeichnungen erhalten – was steht beruflich auf Ihrer To-do-Liste für die Zukunft?

Ich freue mich auf die nächsten Konzerte. Gefühlsmäßig ist die „Nichts-Versäumt-Tour“ für mich noch nicht abgeschlossen. 2019 spielen wir den Sommer über Festivals und Open- Airs. Eine To-do-Liste für die Zukunft habe ich allerdings nicht. Ich sehe mich nicht als jemand, der ständig darauf aus ist, etwas für sich abzuhaken oder zu erreichen oder irgendwo anzukommen. Leben ist ein beweglicher Prozess, und meine Herausforderung besteht darin, beweglich zu bleiben und den Moment bewusst wahrzunehmen. Mich inspiriert die Freude an dem, was tue.

SeMa: Ihre Kinder haben die Musikalität geerbt, waren auch mit Ihnen auf Bühnen. Machen Sie auch Hausmusik? Eventuell auch zu Weihnachten?

Bei uns wird immer Musik gemacht und an Weihnachten natürlich auch, das gehört dazu. Dieses Fest hat ja immer eine ganz besondere Stimmung, die man durch das gemeinsame Singen zum Ausdruck bringt. Eine ganz besondere Zeit.

SeMa: Wie sieht die Adventszeit und ein Weihnachtsfest in Ihrer Familie aus? Werden da auch Rituale aus Ihrer Kindheit fortgeführt? Wenn ja – welche?

Ich bastel Adventskalender, schmücke das Haus und genieße einfach jedes Jahr aufs Neue die Weihnachtsstimmung. Und ja, ich habe schon das Gefühl, dass sich da vieles aus meiner Kindheit fortsetzt.
SeMa: Können Sie sich an die Weihnachtstage Ihrer Kindheit erinnern und an was? Was war damals das schönste Geschenk?
Als ich sechs war, schenkten mir meine Eltern ein Akkordeon. Das habe ich immer noch und spiele es bei meinen Konzerten auch auf der Bühne. Zwei Jahre später lag dann eine Akustikgitarre unterm Tannenbaum. Weihnachten war für mich immer etwas Besonderes und das ist bis heute so.

SeMa: Können Sie sich Zeit für die dritte Generation, die Ihrer Enkel, abknapsen, und was unternehmen Sie mit dem Nachwuchs?

Ich genieße meine vier Enkel in vollen Zügen und verbringe gerne Zeit mit ihnen. Ich bin dankbar, dass ich miterleben darf, wie die Kinder meiner Kinder aufwachsen. Die Rolle als Großmutter ist sehr speziell und einfach schön. Und genauso schön ist auch die Gewissheit, dass man sie immer wieder in die Hände ihrer Eltern gibt, weil man ja eben „nur“ die Omi ist.

SeMa: Welche Werte übermitteln Sie Ihren Kindern?

Kinder haben ein Recht auf freie Entfaltung, und in diesem Sinne haben wir unser Zusammenleben mit unseren Kindern immer gestaltet.

SeMa: Wenn Sie einen Wunsch an die Gesellschaft hätten, welcher wäre das?

Zu dieser Frage fällt mir spontan dieser Satz ein: Ich kann die Welt nur verändern, wenn ich bei mir selber anfange.

SeMa: Ein Leben als Pop-Star bringt doch auch viele Entbehrungen mit sich – welches ist die größte?

Ich lebe nicht im Mangelbewusstsein oder in dem Gefühl der Entbehrung. Das Leben ist für uns alle in alle Richtungen intensiv, und ich empfinde das eher als Bereicherung.

SeMa: Wem sind Sie besonders dankbar und warum?

Ich bin Menschen dankbar, die gerne lachen, kreativ sind und offen durchs Leben gehen. Das ist wohltuend und immer eine Inspiration für mich. Und ich bin meinen Eltern dankbar, dass sie mich in diese schöne Welt geboren haben.

SeMa: Sie sind die Vitalität in Person. Haben Sie dafür ein Geheimrezept, welches Sie uns verraten würden ?

Lachen macht schön, hält jung und gesund. Es stärkt das Immunsystem und beschleunigt Heilungsprozesse, eines von meinen hunderttausend „Geheimrezepten“ ...

SeMa: Man sagt, dass jeder Mensch einen oder mehrere Schutzengel hat, glauben Sie an die geflügelten Beschützer? Können Sie zu diesem Thema auch etwas sagen? Wenn ja, gab es einen gefährlichen Moment, den Sie gut überstanden haben und bei dem Sie sich sicher waren, dass da einer dieser Aufpasser geholfen hat?

Ich bin mir sicher, dass wir unsichtbare Begleiter haben, die auf uns achten. Das kann ich fühlen.

SeMa: Leben Sie nur im Heute oder machen Sie sich auch Gedanken, wie Ihr Leben in 20 Jahren aussehen könnte?

Die Zukunft gestalten wir aus Hoffnungen, Wünschen und Projektion, und Vergangenheit findet in unserer Erinnerung statt. Ich reise immer wieder gerne in beide Zustände, in das, was war, und in das, was vielleicht noch kommen wird. Aber am liebsten lebe ich „genau jetzt“.

SeMa: Möchten Sie gern noch etwas loswerden, was wir Sie nicht gefragt haben ?

Ich wünsche uns allen eine schöne und friedliche Weihnachtszeit.

 

Marion Schröder © SeMa, Fotos: © Kristian Schuller / Laugh + Peas GmbH (2), Heiko Laschitzki photography