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Pflege mit Personal aus anderen Kontinenten

EIN HAUCH VON EXOTIK – Mitarbeiter von anderen Kontinenten bringen Farbe in die Pflege

Seit 1981 schickt uns das ZDF mit dem inzwischen fünften Traumschiff auf Reise. Während die im Februar im Alter von 94 Jahre verstorbene Rosamunde Pilcher lediglich ihre Heimat, das arme, aber malerische Cornwall, als Bühne ihrer Geschichten benötigte, liefert das Traumschiff die ganze Welt ins Wohnzimmer. Bahamas, Norwegen, Australien und gleich zweimal Brasilien waren Ziele der bisher 83 Folgen.

 

Brasilien, das ist auch die Heimat von Kimberly. Wer ihr begegnen möchte, der  muss nicht sein Fernsehgerät einschalten und mit dem Traumschiff auf Reisen gehen. Kimberly (21) ist schon in Hamburg. Ihr  Traum war es, in Deutschland zu arbeiten. Und begegnen kann man der lebhaften jungen Frau  im Altenpflegezentrum Ansgar in Hamburg-Langenhorn.

Die „Dame aus Brasilien“, wie sie Siegfried Springhorn (89 Jahre), einer der Bewohner des Altenzentrums, liebevoll und mit Respekt nennt, ist nicht die einzige Auszubildende in der Altenpflege, die einen Hauch von Exotik in das Leben der Senioren im Schatten der Ansgar-Kirche bringt. Brigitte Springhorn, die Leiterin der Einrichtung,  berichtet im Gespräch mit dem SeMa, „Unsere Erfahrungen mit jungen Leuten aus anderen Kontinenten sind sehr positiv“, so die Bayerin, die selbst vor Jahrzehnten den Sprung über den „Weißwurst-Äquator“ gewagt hat, „natürlich gibt es Sprachprobleme, die zu überwinden sind.  Daran arbeiten wir gemeinsam, und es macht unseren Bewohnern Freude, sich sprachlich mit einbringen zu können. Dabei wird gemeinsam viel gelacht!“ Auch Charlotte Pelzer (88) freut sich, wenn sie die jungen Leute aus Übersee bei der Arbeit beobachtet. „Sie haben immer ein Lächeln auf den Lippen“, so die Seniorin, „das ist schon ein Geschenk.“ Ausdrücklich schließt Pelzer das ganze Personal mit ein: „Hier sind wir keine ‚Fälle‘, sondern Menschen, die einen Namen haben. Das habe ich zum Beispiel im Krankenhaus nicht immer so erlebt!“

Neben Kimberly erlernen Alida (25) aus Madagaskar, Cu Thuy Anh (28) und Hue Tran Thi  (23) aus Vietnam den Beruf „Altenpflege“ in Langenhorn. Einen Beruf, den man in ihrer Heimat – noch – nicht kennt. „Bei uns“, so berichten die jungen Leute übereinstimmend, „liegt die Altenpflege in den Händen der Familien. Staat,  Religionsgemeinschaften oder gar private Anbieter gibt es nicht!“ „Ich arbeite gern mit Menschen“, berichtet Alida, „in unserer Kultur hat der alte Mensch einen hohen Stellenwert. Für diese Menschen zu arbeiten ist für mich sehr schön.“ Die zierliche junge Frau aus Madagaskar, das über 50 Prozent der Vanille-Weltproduktion liefert, ist als Au-Pair in Hamburg gelandet und hat sich gleich zweifach verliebt. „Es gibt hier für uns neben umfangreichem theoretischem Wissen, das wir lernen müssen, ganz viele praktische Tipps, die wir umsetzen können. Außerdem gibt es sehr hilfreiche technische Unterstützung in der Pflege“, berichtet sie, „die schont den Rücken und erleichtert unsere Arbeit enorm!“ Über eine Agentur haben die Vietnamesinnen den Weg nach Hamburg gefunden. Krankenpflegerisch in ihrer Heimat vorgebildet, ist die Ausbildung in Hamburg für sie ein weiterer Schritt. „Ganz anders als bei uns daheim ist hier das Verhältnis zum Chef“, war ihr erster, anhaltend positiver Eindruck, „in Vietnam sind Vorgesetzte Respektspersonen, vor denen die Mitarbeiter Angst haben. Geachtet werden Vorgesetzte hier auch, aber der Umgang ist völlig zwanglos, man lacht und freut sich gemeinsam. Das tut ihrer Autorität keinen Abbruch!“
Nach so vielen positiven Berichten nun zu den Schattenseiten des Lebens in Hamburg: Das Wetter ist Dauerbrenner – wenn das denn bei den Temperaturen in Hamburg ein angebrachtes Wort ist. Viel zu kalt! Und das deutsche Mittel dagegen, sehr nahrhafte Speisen, zu schwer. „Das Essen hier im Haus“, heißt es einhellig, „ist sehr gut, aber wir vermissen die heimische Küche schon!“  Reis statt Kartoffeln oder Nudeln, scharfe Gewürze, Suppen aus Mutters Kochtopf, die fehlen in Hamburg dann und wann. Die „deutsche Pünktlichkeit“ musste auch erst verinnerlicht werden – ebenso, dass sich die Menschen in Bus und Bahn anschweigen.

„Für unser Haus“, resümiert Brigitte Springhorn, „sind die jungen Leute eine echte Bereicherung, von ihnen profitieren unsere Bewohner wie auch wir als Team.“ Altenpflege ist nicht nur für Menschen aus Übersee ein interessanter Beruf.  Die Diakonie bietet Fachkräften attraktive und sichere Arbeitsplätz überall in Hamburg. Eine examinierte Altenpflegekraft verdient aktuell bei 30 Tagen Urlaub als Berufsanfänger/in 2.727 Euro brutto pro Monat (Stundensatz 16,20 Euro). Hinzu kommen Zeitzuschläge, ggf. Sonderzahlungen, HVV-Fahrtkostenzuschuss, eine betriebliche Altersvorsorge und vermögenswirksame Leistungen. Eine Steigerung des Bruttogehalts ist je nach Betriebszugehörigkeit und Funk-tion (z. B. Pflegedienstleitung) bis auf 4.269 Euro brutto pro Monat möglich (Stundensatz 25,36 Euro). Je nach Einrichtung können diese Angaben variieren. Auszubildende in der Altenpflege verdienen im ersten Ausbildungsjahr 1.035, im zweiten 1.111 und im dritten 1.229 Euro.     

F.J. Krause © SeMa