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Städte-Check Urlaubsziele für Senioren: Erfurt/Weimar

Ein Fischmarkt mitten in Thüringen. Ob bedeutende Historie oder Technikzentrum: Erfurt lohnt sich!

Nach dem Arbeitsleben haben viele Senioren genügend Zeit zum Reisen. Dabei stehen Städtereisen hoch im Kurs. Kurz, interessant, recht günstig und auch für die ältere Generation geeignet soll es sein.  Das Senioren-Magazin testet in einer Serie, welche europäischen Städte diese Anforderungen  erfüllen – oder auch nicht. In dieser Folge geht es um die thüringische Landeshauptstadt Erfurt und die Nachbarstadt Weimar.

Im Auge den riesigen Domplatz, in der Nase den Duft der Thüringer Bratwurst von der Bude nebenan und gleich um die Ecke der Fischmarkt. Der neugierige Städtetourist kommt in Erfurt in jeder Beziehung auf seine Kosten. Gerade auf dem Fischmarkt, historisch ein Mittelpunkt der heute 210.000 Einwohner zählenden Stadt, hat die örtliche Stadtführerin dem Tross von Senioren jede Menge zu erklären.

Dabei geht es weniger um Aal, Makrele oder Heilbutt  als um die Fronten der angrenzenden Häuser. „Sie sehen hier fünf verschiedene Baustile an sechs Gebäuden“,  illustriert sie das

imponierende historische Ensemble. Ihre Zuhörer hatten sich unter Fischmarkt eigentlich etwas anderes vorgestellt. Aber aufgepasst, es naht ein quietschendes Ungetüm in zwei Schienen: Die Senioren-Gruppe muss einer der alten Straßenbahnen, die die autofreie Altstadt durchqueren, weichen. Das Klingeln der Tram passt gut zum Glockenspiel, das regelmäßig von einer der insgesamt 25 Pfarrkirchen Erfurts zu hören ist.

Überhaupt Straßenbahn: Eine Stadtrundfahrt durch die thüringische Metropole, bedeutsam anno 2019 auch als Messestandort und Technologie-Zentrum, wird hier auf Schienen an Bord eines alten Vehikels durchgeführt. In aller Ruhe passiert man den Dom, die Krämerbrücke, die Zitadelle Petersberg und natürlich die restaurierten Bürgerhäuser, die Erfurt zu etwas ganz Besonderem machen. “Eine wirklich interessante und sehenswerte Stadt“, staunt eine 69-jährige Hamburgerin, die für drei Tage auf Besuch in Erfurt und Weimar (rund 25 Kilometer entfernt) ist.

Während die Landeshauptstadt zwar auch durch das historische Gesamtbild fasziniert, ist sie aber wesentlich mehr. Ob innovative Technik, Einkaufsmeilen, große Hallen (die Messehalle hat zum Beispiel bis zu 6000 Sitzplätze): Erfurt boomt und von einem „östlichen Grauton“ der Vergangenheit ist absolut nichts mehr zu sehen. Es ist verständlich, dass der von seiner eigenen Stadt sichtlich angetane Stadtführer in der alten Straßenbahn immer wieder sagt: „Eine tolle Stadt in diesem wunderbaren Lande.“

Aber „das wunderbare Land“ hat noch mehr zu bieten. 25 Kilometer entfernt spricht der Eindruck in Weimar allerdings eine ganz andere Sprache. Auch hier ein durch die Bürgerhäuser imponierendes Stadtbild, das aber zwei historischen menschlichen Größen an Bedeutung zu weichen hat: Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Sie wohnten beide lange in Weimar – und das nicht weit voneinander entfernt. Besonders Goethes Wohnhaus – inklusive dem Garten und Gartenhaus – ist lohnend, bei schlechtem Wetter allerdings auch sehr gut mit Touristen gefüllt. In Weimar lauern Goethe und Schiller an jeder Ecke – und werden dementsprechend vermarktet.

Die Kombination Erfurt/Weimar lohnt sich gerade für Senioren mit Interesse für die deutsche Vergangenheit auf jeden Fall. Beide Städte haben jeweils übersichtliche Innenstadtbereiche, aus denen die Autos verbannt sind – in Erfurt ist dazu das Straßenbahn-Netz gut überschaubar. Kulinarisch gibt es ohnehin kein Problem – und wenn es nur eine (oder mehrere) Thüringer Bratwürste auf dem Domplatz sind.       

In vier Stunden mit der Bahn von Hamburg nach Erfurt:
Erfurt ist Bahn-Knotenpunkt und daher auch von Hamburg mit der Bahn gut zu erreichen. Die Fahrtzeit beträgt mit dem ICE unter vier Stunden (bei einem Umstieg).

Informationen im Netz:
www.erfurt-tourismus.de und
www.weimar.de/tourismus/tourist-information-weimar/

 

Text und Fotos: Klaus Karkmann © SeMa