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Leckere Flammkuchen aus alten Fachwerkhäusern

Straßburg ist ein Genuss für Augen und Gaumen gleichermaßen

Fachwerkhäuser und die Kanäle der Ill, auf denen die Ausflugsboote verkehren, prägen das Bild der Altstadt Straßburgs.

Man ist noch an der deutschen Grenze, aber eigentlich schon mitten in Frankreich. Wer die Altstadt der elsässischen Metropole Strassburg besucht, spürt sofort das „Savoir vivre“, die Kunst, das Leben zu genießen. Das fällt in den Gassen unter dem alles überragenden Münster nicht schwer, spektakuläre Sehenswürdigkeiten und die Düfte der einheimischen Küche  bedienen den Touristen von allen Seiten.

Es ist kein großes Wunder, dass eben die Scharen in die Straßburger Altstadt, besonders in das Gerberviertel La Petite France (siehe Text unten rechts) strömen. Und so sind die Auswirkungen des Massentourismus in den engen Gassen des Fachwerkviertels zu spüren. Gerade sind zwei 25er-Gruppen Amerikaner von einem Flusskreuzfahrtschiff – Audio-Stöpsel brav in den Ohren – vorbei, kommt eine Anhäufung Asiaten um die Ecke. Auch die Touristen aus dem Fernen Osten haben Probleme: Flammkuchen in der Hand und die Kamera vor den Augen sind nicht leicht in Einklang zu bringen. Aber irgendwie klappt das schon.

In den engen Gassen des Viertels La Petite France drängen sich die Touristen.

Und es ist auch nicht schwer, das faszinierende Gerberviertel zu erkunden und lieben zu lernen. Die Wege sind kurz, die gemütlichen Weinlokale, in denen es natürlich auch Flammkuchen und Sauerkraut in allen Variationen gibt, lieb zu gewinnen. Die enge Bauweise sorgt für viel Schatten, den man in Straßburg auch braucht. Wer es noch einfacher haben will, nimmt ein Ausflugsboot mit Panorama-Dach oder als Cabrio auf der Ill, deren Arme Le Petit France umfassen. Aber: Die Plätze in den Booten sind begehrt, die Schlangen lang.

Vom Andrang her gibt es freilich noch eine Steigerung: Wer das Wahrzeichen der Stadt, das Straßburger Münster (Kastentext linku), besuchen will, braucht Geduld. Schon morgens bei der Öffnung um 8.30 Uhr hat sich eine Schlange gebildet, auch hier sind die Asiaten in der Poleposition. Aber es lohnt sich. Eine Hamburger Kleingruppe kommt in dem großen Kirchenschiff aus dem Staunen nicht heraus. „Mein Gott, sind das Dimen-sionen“, sagt eine Seniorin aus der Hansestadt. In der Tat: Platz herrscht wie in einer Großsporthalle. Nach allen diesen Eindrücken fällt es nicht schwer, sich  in einem der Weingärten, Cafés, Patisserien, Bistros, oder Restaurants niederzulassen. Eine der 20 Sorten Flammkuchen, die überall angeboten werden, wird schon schmecken, daneben gibt es genügend andere Kulinarik, die auch noch passen könnte (siehe Kastentext unten). Niemand wird Straßburg hungrig verlassen, das ist mal sicher.

Straßburger Münster.

Natürlich hat diese Stadt (knapp 300 000 Einwohner), immerhin das Zentrum Europas, noch mehr zu bieten (siehe Übersicht unten). Die äußeren Stadtteile imponieren durch eine hochmoderne Bauweise in teilweise futuristischem Stil, dort kommen auch die Radler auf ihre Kosten, Straßburg ist in Sachen Radwege ein Vorreiter in Frankreich – zudem lockt der Rheinradweg auf der Grenze zu Deutschland.

Insgesamt ist die elsässische Großstadt eine gute Mischung aus Kultur, französischer Lebensfreude und Lockerheit. Die Menschen sind zugänglich, das Wetter ist meist sehr freundlich und zu sehen gibt es wirklich genug. Nur: Auf die Waage sollte man nach der Rückkehr zu Hause vielleicht nicht gleich schauen. Das „Le Savoir vivre“ könnte deutliche Spuren hinterlassen haben.   

200 Jahre das höchste Bauwerk der Menschheit

Das Liebfrauenmünster zu Straßburg, wie die korrekte Bezeichnung für die bekannteste der Straßburger Sehenswürdigkeiten lautet, ist mit seinen 112 Metern Länge und einer Breite von über 51 Metern eines der größten existierenden Sandsteingebäude der Welt. Mehr als 200 Jahre lang galt das Straßburger Münster mit seinem 142 Meter hohen Nordturm sogar als das höchste Bauwerk der Menschheit. Der Südturm der Kathedrale wurde nie gebaut, was dem römisch-katholischen Gotteshaus seine heutige markante und asymmetrische Form verleiht.

La Petite France.

La Petite France: Zuerst kam die Syphillis

Im, wörtlich übersetzt, „kleinen Frankreich von Straßburg“ drängen sich dicht an dicht Fachwerkhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Sie hatten und haben weiträumige Innenhöfe und hohe Spitzdächer, welche sich über die offenen Dachböden spannen, in denen früher die gegerbten Häute zum Trocknen aufgehängt wurden. Durch das Viertel ziehen sich der Fluss Ill und drei kleine Kanäle. Mit Ausflugsbooten durchfährt man das Viertel und einige Schleusen. Früher soll das Viertel La Petite France ein eher unbeliebter und finsterer Stadtteil gewesen sein, denn die Häute und Felle der Gerber verbreiteten einen strengen Geruch. Im Mittelalter fanden hier auch Gauner und Banditen Unterschlupf, und angeblich wurden hier viele dunkle Ge-schäfte gemacht – auch ein reges Rotlichtmilieu soll hier gewesen sein. In dem Viertel befand sich zudem ein Militärkrankenhaus, in dem Soldaten von Syphillis – damals als Franzosenkrankheit bezeichnet – geheilt wurden. Daher rührt auch der Name Petite France.

Flammkuchen.

Straßburg in Kürze

• Kulinarische Spezialitäten: Flammkuchen in allen Variationen. Hähnchen in Rieslingsauce, Sauerkraut mit Fisch, Guglhupf mit Walnüssen und Speckwürfeln, Winzersalat.

• Europaparlament: Führungen durch das Europaparlament sind für Gruppen von 10 bis 50 Personen ausgerichtet. Für Einzelbesucher gibt es eine begrenzte Zahl an Plätzen während der Plenartagungen. Besucher müssen mindestens 14 Jahre alt sein.

• Bahn-Anfahrt nach Straßburg: Die Anreise mit der Bahn aus Hamburg nach Straßburg dauert rund 7,5 Stunden. Es ist ein Umstieg kurz vor dem Ziel in Offenburg notwendig.

• Internet: Informationen für Touristen im Internet unter ONLINE

 

Klaus Karkmann © SeMa

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