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Schauspielerfamilie Maertens

„Mitten im Leben“ steht auch die Schauspielerfamilie Maertens und genau zu diesem Thema eröffneten jetzt vier Mitglieder dieser Künstlerfamilie die Kulturreihe des Hamburg Leuchtfeuer Lotsenhauses. Seit 18 Jahren standen Vater Peter und seine Kinder Miriam, Michael und Kai nicht mehr gemeinsam auf der Bühne des Thalia Theaters. Damals war der Anlass der  70. Geburtstag des Familienoberhaupts Peter, der in diesem Traditionshaus gefeiert wurde. Genau dort, wo auch schon sein Vater Willy Maertens ab 1927 als Schauspieler und später als Intendant künstlerisch arbeitete und große Erfolge feierte.

Wir konnten die Gesprächsrunde, geleitet von der Moderatorin Inka Schneider, im Thalia Theater miterleben. 90 Minuten interessante, informative, kurzweilige und humorvolle Unterhaltung, aber auch mit Tiefgang, als Miriam den Titel sang, „Wenn du lachst, geht alles wie von selbst“, und sie erzählte auch über ihre wunderbare Familie, die ihr auch in schweren Zeiten immer zur Seite stand. In diesen eineinhalb Stunden war

natürlich zu merken, wer hier der Chef im Ring ist. Der 88-jährige Senior Peter Maertens hat immer noch die Fäden in der Hand.  Er erzählte u. a. in Hamburg, dass er unter 13 Intendanten spielte, davon waren sieben am Thalia Theater. Michael  Maertens sorgte für Lacher, als er meinte, dass die Maertens Family ein bisschen wie die Kelly Family sei. Er wie Angelo, sein älterer Bruder Kai wie der Sportler Joey und seine Schwester Miriam wie die jüngste der Kelly-Mädels, Maite.  Der Burg-Schauspieler Michael Maertens  ließ das Publikum auch wissen, dass er es immer aufregend fand, im Thalia Theater zu sein, und es auch gleich am Geruch erkenne, wenn er das Haus betrete.  Bei „Wetten dass ...?“ könnte er sich bewerben und beweisen, dass er mindestens zehn Theater an ihrem Geruch erkennen könne. Wir erfuhren aber auch, dass die drei Spröss- linge eine sehr schöne Kindheit erlebten, behütet groß werden konnten und ihnen die Bodenständigkeit mit auf ihre Wege gegeben wurde. Auf die Frage von Inka Schneider, wie es ist, mit Familienmitgliedern auf der Bühne zu stehen, bekamen die Zuschauer die Antwort von Michael, dass es eigentlich die Hölle sei, da man sich Sorgen um die Geschwister oder den Papa mache und man den anderen natürlich auch nichts vormachen könne. Miriam ließ uns wissen, dass es in der Familie früher ziemlich laut zuging, aber es immer harmonisch war. Die Lacher auf  seiner Seite hatte Kai Maertens als er humorvoll erzählte, dass Vater Peter nie die Arbeit seiner Kinder direkt kritisierte, erst 30 Jahre später. Kai wusste, wovon er sprach, denn sein Vater besuchte ihn bei einer seiner Aufführungen in Wien, und 30 Jahre danach bekam er die Kritik dazu mitgeteilt. Peter Maertens ist der Meinung, dass ein Schauspieler nach einer Aufführung noch in einem anderen Zustand ist, bei dem man nichts Negatives sagen sollte. Er verkündete auch, dass in jedem Mann auch ein Kind stecke, welches spielen möchte und in ihm stecken dann bestimmt Zwillinge. Dass die männlichen Familienmitglieder glühende Fußballfans und Anhänger des FC St. Pauli sind, wurde auch thematisiert.

Wir trafen Kai Maertens im Thalia Theater noch zu einem Interview:

SeMa: Sie sind gebürtiger Hamburger, was lieben Sie an Ihrer Geburtsstadt?

K. M.: Ich liebe die Elbe und die Alster, den Stadtteil St. Pauli und den Fußballverein FC St. Pauli. Ich liebe die Vielfalt und die Toleranz der Menschen. Ich mag Hamburg richtig gern bei schönem und auch bei schlechtem Wetter. Es ist allerdings nur das Tor zur Welt. Nichts ist schöner als weg-zufahren und dann wiederzukommen in sein Hamburg. Diese Stadt ist doch in erster Linie meine Heimat. Allerdings bin ich politisch inhaltlich nicht immer einer Meinung. Die Schere reich/arm wird immer größer. Die eigentlich britische Großzügigkeit, die gilt es weiter hochzuhalten. Die guten han- seatischen Tugenden von Kaufmännern, die wissen sollten, dass das Eigentum auch verpflichtet, scheinen mir etwas abhandenzukommen und das ist schade.

SeMa: An welchem Ort könnten Sie sich eine Zweit-wohnung vorstellen?

K. M.: Da gibt es allerdings ganz viele. Da hätte ich gern eine in London, eine in Paris, eine in New York, eine in Madrid und eine in Siena. Dann gibt es aber auch 1000 Inseln, die ich noch nicht gesehen habe und die mich interessieren, also  entweder Metropolen oder ans Meer.

SeMa: Sie sind großer Fan der Fußballmannschaft des FC St. Pauli. Wann begann diese Liebe und gehen Sie auch zu den Spielen ins Stadion?

K. M.: Fan bin ich schon seit 34 Jahren und habe seitdem nur wenige Heimspiele verpasst. Ich bin auch einmal im Kostüm während einer „Dantons Tod“-Aufführung aus dem Thalia Theater ins Stadion gefahren und dann mit dem Taxi zurück auf die Bühne. Fußball ist das schönste Spiel der Welt und verbindet die Menschen auf unserem Planeten. Fußball hat auch viel mit Theater zu tun, da ein guter Theaterabend auch 90 Minuten dauert. Man braucht tolle Individualisten, aber das Zusammenspiel entscheidet. Fußball ist Leben. Wir sind nicht anders bei St. Pauli, aber konsequent gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Faschismus. St.-Pauli- Spiele sind unvorhersehbar und dramatisch, man braucht starke Nerven und eine unglaubliche Leidenschaft. Nichts ist niemals sicher. Mit meinem Vater Peter gehe ich seit 20 Jahren ins Stadion, manchmal auch mit meinem Sohn oder meinem Neffen.

SeMa: Wann und wo sind Sie demnächst zu sehen?

K. M.: Ich spiele in der ZDF-Reihe „Ostfrieslandkrimis“ den Kripochef Ubbo Heide, und ab 22.3. stehe ich auf der Bühne des Schiller Theaters in Berlin als Colonel Arbuthnet in „Mord im Orientexpress“. Katharina Thalbach spielt die Rolle der Hercule Porto und führt auch Regie. Ich freue mich sehr auf die Arbeit. Von Hamburg aus kann man Berlin ja leicht erreichen und auch noch einer Vorstellung wieder zurückfahren.                  

Text und Fotos Marion Schröder