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STEFAN GWILDIS – Soulstimme auf der Reeperbahn

Stefan Gwildis übernahm jetzt die Rolle und das Steuerrad auf der Barkasse, die vor zwei Jahren von Volker Lechtenbrink in dem Erfolgsstück „Große Freiheit Nr. 7“ über die Bühne des St. Pauli Theaters gelenkt wurde.

 

Damit trat der am 22. Oktober 1958 in Hamburg geborene Soulsänger, Schauspieler und Komponist in die Fußstapfen von Hans Albers, Freddy Quinn und Volker Lechtenbrink, die alle drei die Rolle des singenden Seemanns Johnny Kröger gespielt haben: Hans Albers 1944 im Film an der Seite von Ilse Werner, Freddy Quinn und Volker Lechtenbrink auf Theaterbühnen.

Das charismatische Allroundtalent Stefan Gwildis verdiente in seiner Jugend seinen Lebensunterhalt u.a. als Straßenmusiker, Lager- und Hafenarbeiter, Sonnenbankaufsteller und zu Weihnachten gern auch als Weihnachtsmann. Doch die Musik ließ ihn nie los.

Nach Jahren in verschiedenen Bands beginnt seine überregionale Karriere, als er schon Mitte 40 war. Er findet die Lücke im Showgeschäft und singt mit seiner unverkennbaren Stimme Soul mit deutschen Texten.

Mit seinen musizierenden Freunden Joja Wendt und Rolf Claussen füllen sie Arenen unter dem Namen „Die Söhne Hamburgs“. Der künstlerische Tausendsassa fasziniert auch das Publikum mit seiner Lesung von Theodor Storms „Der Schimmelreiter“. In diesem Jahr stehen viele Termine in seinem Kalender, bei denen er mit seiner Band in ganz Deutschland auftritt. Ganz gleich, wo und in welcher Rolle der „Hamburger Jung“ sein Publikum unterhält, es sind immer Gänsehaut und stehende Ovationen vorprogrammiert. Zu seinem 60. Geburtstag machte er sich selbst ein Geschenk: Er trat in der Elbphilharmonie auf.

Dass Stefan Gwildis jetzt auf der Bühne des St. Pauli Theaters den Johnny Kröger darstellen darf, ist auch für ihn die Erfüllung eines Traums. Auch wenn dies nicht seine erste Rolle als Schauspieler ist, waren die 80 Seiten Text, die er lernen musste, eine echte Herausforderung. Angefangen hat die Schauspielerei 1979 vor dem Bühneneingang des Thalia Theaters. Er fragte den Pförtner, was man denn tun müsse, wenn man hier mitspielen möchte. Dieser riet ihm, am kommenden Dienstag wiederzukommen, denn da sei das Vorsprechen für „Die drei Musketiere“. Die Chance ließ er sich nicht entgehen. Stefan Gwildis wurde engagiert und durfte in diesem Theater eine schöne Zeit vor und hinter den Kulissen verbringen. Es war seine Theaterlehrzeit, die neben der Schauspielausbildung auch Fecht- und Stuntszenen beinhaltete. Volker Lechtenbrink gab seinem Kollegen bei der Staffelstabübergabe noch den Rat, die Rolle des Johnny Kröger in der ihm eigenen Version zu spielen. Und genau das macht er auch. Stefan Gwildis singt und schauspielert nicht nur die vorgeschriebenen Texte, sondern präsentiert auch seine bekannten Lieder in der ihm eigenen swingenden und lockeren Art. Er lacht und flirtet dabei charmant mit dem Publikum. Das Südseeflair zaubert er mit Ukuleleklängen direkt in die Herzen der Zuschauer. Das Publikum hat er spätestens dann gewonnen, wenn er mit durchsichtigem Schirm, auf dem eine Wasserflasche kopfüber montiert wurde, direkt aufs Publikum zugeht und mit dem Lied „Regennacht in Hamburg“ die größte Freude hat, die Zuschauerinnen und Zuschauer in den vorderen Reihen nass zu spritzen. Das bekannte Stück von der „Großen Freiheit“ ist auf jeden Fall auch mit Humor gewürzt. Man merkt dem gesamten Team die Freude am Spielen an.

Dem in Hamburg lebenden Sänger und Schauspieler mit der unverkennbaren Stimme ist diese Rolle wie auf den Leib geschrieben. Man sieht ihm seine Schauspiellust in dem gesamten Stück an. Der Titel „La Paloma“, der in diesem Theaterstück auch von Stefan Gwildis gesungen wird, wurde ein Welthit und im September 2003 zum Lied des Jahrhunderts gewählt. Freddy Quinn lag mit seiner Version 28 Wochen in den Charts auf Platz eins. Stefan Gwildis, die Musiker und das Team stehen vom 29. Mai bis 9. Juni 2019 wieder in „Große Freiheit Nr. 7“ auf der Bühne des St. Pauli Theaters. Kartenreservierung Mo.-Sa., 10-19 Uhr – sonn- und feiertags, 14 bis 19 Uhr unter: 040/47 11 06 66.

Text und Fotos Marion Schröder © SeMa